Landnahme und Reichsgründung

In den ersten Jahrhunderten unsere Zeit hatten sich die alten Stämme der Germanen, wie sie vor allem aus dem Bericht des römischen Schriftstellers Tacitus bekann sind, neu gruppiert. So entstanden die Stammesbünde der Sachsen, Bayern, Alemannen, Thüringer und Franken.

Der Bund der Franken taucht zum ersten Male in der Mitte des 3. Jahrhunderts auf (258). Er vereinigte die Stämme des nordwestlichen Deutschlands. Bei den Franken lehrte vorerst jeder Teilstamm für sich und nach eigenem Recht. Nur zu gemeinsamen Kriegszügen der zur Abwehr der römischen Gegenangriffe fanden sie sich in einheitlichen Aktionen zusammen.

Bei den Franken bildeten sich zwei Hauptgruppen heraus, die Salier und die Riquarier; außerdem müssen die Chatten erwähnt werden, die späteren Hessen. Die Salier saßen um 400 zwischen Niederrhein und Schelde. Das war die damalige Provinz Germania inferior des Römischen Reiches. Von dort stießen sie weiter nach Westen vor. Schon wenige Jahrzehnte später hatten sie  die Somme in der Provinz Belgica erreicht. Die Riquarier hatten etwa zur gleichen Zeit den Rhein in der Gegend von Köln und weiter südlich überschritten. Sie ließen sich zwischen Rhein und Maas nieder, im Süden bin über Metz hinaus. Dort trafen sie mit den Alemannen und den Burgundern zusammen.

In der Mitte des 5. Jahrhunderts, als das durch Germanenabteilungen verstärkte Herr des Hunnenkönig Attila bis ins Innere Galliens vordrang, nahmen neben den Westgoten auch Franken auf Seiten der Römer an der Abwehr der Hunnen teil. Dieses Bündnis dauerte aber nur so langen, bis die drohende Gefahr abgewendet war. Als dann die meisten römischen Legionen aus Gallien abberufen wurden, konnten die weiteren Vorstöße der Franken nicht mehr aufgehalten werden.

Die nunmehr folgende Eroberung der römischen Provinz Gallien fasst man mit der früher  erwähnten Bewegung der Salier und Riquarier in die linksrheinischen Gebiete unter der Bezeichnung „Fränkische Landnahme“ zusammen. In den Provinzen Germania inferior und Belgica wurde das eroberte Land von freien Bauern besiedelt. In den anschließenden Gebieten zwischen Seine und Loire waren es vor allem fränkische Könige, die die letzten römischen Besitzungen eroberten. Sie nahmen nicht mehr selbst den Pflug in die Hand, sondern traten an die Stelle der römischen Großgrundbesitzer. In den Gebieten am Rhein hatten die Franken die römische Bevölkerung grausam behandelt und getötet; die Städte verödeten. Als die Franken weiter ins Innere Galliens vordrangen, mussten sie sich mit den Bewohnern des Landes verständigen und konnten sie nicht so grausam vernichten.

Im Jahre 481 wurde Chlodwig, ein Nachkomme des sagenhaften Merowech (daher die Bezeichnung Merowinger), im Alter von erst 15 Jahren zum König einen salischen Teilreiches erhoben.

Sein Gebiet lag im südlichen Belgica, der Mittelpunkt was Tournai. Chlodwig erwies sich als ein fähiger Politiker und Feldherr, der mit aller Energie sein Zeil verfolgte und dabei vor keinem Mittel zurückschreckte. Den auf die Eroberung Galliens gerichteten Pläne Chlodwigs kamen die Kriegsbereitschaft und der Landhunger der Franken entgegen. So konnte er bald nach seiner Erhebung zum König andere Teilreiche aus seiner Nachbarschaft einziehen und im Jahre 486 die Herrschaft des Syagrius vernichten, die dieser in einem Teil Nordgalliens noch als Statthalten Roms ausübte. Später ließ Chlodwig auch die riquarischen Frankenkönige beseitigen und fand Anerkennung als König aller Franken. Die Franken blieben auch nach ihrer Niederlassung in Gallien mit  ihren alten Wohngebieten in ständiger Verbindung.

Mehrere Jahre später unterwarfen die Franken in langen schwierigen Kämpfen die Alemannen, die ein Stammesreich zwischen Taunus und Bodensee am Mittel- und Oberrhein gegründet hatten und westwärts drängten. Sie gehörten seitdem zum Fränkischem Reich. Seit 486 bildete die Loire die Grenze zwischen Franken und Westgoten. Chlodwig verbündete sich mit den Burgundern und vernichtete den gallischen Teil des Westgotenreiches. Die vollständige Besetzung Südgalliens wurde durch das Eingreifen der Ostgoten verhindert.