Frankreich im Mittelalter

Im 10. Jahrhundert konnten sich die letzten französischen Könige aus dem Hause der Karolinger nur mühsam gegen die weltlichen Lehnsfürsten ihres Landes halten. Als sie auch noch von außen durch die Normannen bedroht wurden, mussten sie 911 den Nordleuten das Land an der unteren Seine, die ,,Normandie”, als erbliches Herzogtum überlassen. Nach dem Aussterben der Karolinger folgten fast 350 Jahre lang Könige aus dem Hause der Capetinger (987-1328). Sie beherrschten zunächst nur die weitere Umgebung von und Paris und Orleans. Im Kloster St. Denis bei Paris, wo die Königskrone aufbewahrt wurde, befand sich seit dem 13. Jahrhundert die Grablege der französischen Könige.

Aber im Gegensatz zu den deutschen Königen gelang es den Königen in Frankreich im 12./13. Jahrhundert, das Lehnsrecht zu ihren Gunsten zu verändern. Die Kronvasallen (die meist unmittelbar vom König belehnten großen Lehnsfürsten) durften die “Huldigung” (Treueid) eines Untervasallen nur entgegennehmen, wenn dieser versicherte, dass das Treueverhältnis gegenüber dem König dadurch nicht beeinträchtigt würde (so genannter Treuevorbehalt).

Durch den Sieg über den englischen König Johann gewann Philipp II. (1180-1223) alle bisherigen englischen Besitzungen nördlich der Loire zurück. In den unerbittlichen Kriegen gegen die Albigenser (so benannt nach der Stadt Albi in Südfrankreich, 1209-1229), die von der Kirche der Ketzerei bezichtigt wurden, dehnten die Könige in Übereinstimmung mit dem Papst ihre Herrschaft bis ans Mittelmeer aus.

Das königliche Hofgericht in Paris. das bei schweren Verbrechen das endgültige Urteil zu fällen hatte. wurde zum zentralen Gericht für das gesamte Land. An ihm gab es fest besoldete Juristen (Legisten), die nicht nur Recht sprachen, sondern den König auch in der Regierung unterstützten und die Stellung des Königs als obersten Richter und unumschränkten Gesetzgeber rechtlich begründeten. Für die Verwaltung der königlichen Finanzen wurde ein zentraler Rechnungshof eingerichtet.

Als 1302 Papst Bonifaz VIII. (1294-1303) verkündete, dass die weltliche Gewalt der päpstlichen untergeordnet sei, ließ ihn Philipp IV. der Schöne (1285-1314) gefangen nehmen. Der Papst führte nun seinen Kampf um weltliche Herrschaftsansprüche mit dem französischen König, nicht mehr wie früher mit dem deutschen Kaiser. Ein Nachfolger des Papstes Bonifaz verlegte den Sitz der Kurie nach Avignon in Südfrankreich. Solange die Päpste hier residierten (1309-1377), standen sie unter dem Einfluss der französischen Könige.

Nachdem das französische Königshaus der Capetinger 1328 ausgestorben war, übernahm das verwandte Haus der Valois die französische Krone; aber auch der englische König aus dem Hause Plantagenet erhob Erbansprüche. Darüber brach der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich aus (1339-1453). Die englischen Truppen waren auf dem Festland siegreich; der französische König geriet in englische Gefangenschaft und musste 1360 den Hafen von Calais und ganz Südwestfrankreich dem englischen König überlassen. Zwar wurde das verlorene Gebiet bald wieder zurückerobert, doch der englische König setzte 1415 den Krieg fort. Ihm schloss sich der mächtigste Lehnsmann des französischen Königs, der Herzog von Burgund, an. Der französische König verlor ganz Frankreich nördlich der Loire mit Paris und der Krönungsstadt Reims.

Das Kriegsglück wandte sich erst, als 1429 Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orleans, auftrat, ein etwa 17 Jahre altes Bauernmädchen aus Lothringen. Sie fühlte sich durch innere Stimmen beauftragt, den jungen französischen König Karl VII. zur Krönung nach Reims zu führen und Frankreich von den Engländern zu befreien. Sie flößte den verzagenden französischen Soldaten neuen Mut ein, befreite das belagerte Orleans und führte ihren König zur Krönung nach Reims.