Häuser in der mittelalterlichen Stadt

In den mittelalterlichen Städten war bei den Bürgerhäusern und Werkstätten – sofern diese nicht ohnehin zusammengezogen waren – hauptsächlich der Fachwerkbau gebräuchlich. So wurden in der Holzskelettbauweise sog. Gefache aus senkrechten, waagrechten und schrägen Balken durch Holzbohlen und Flechtwerk mit Lehmbewurf geschlossen. Nichttragende, dünnere Sprossen stützen Gefache und begrenzen Fenster und Türen. Mit dem Beginn des mehrgeschossigen Hausbaus im 13. Jahrhundert wurden zur Versteifung der Wandkonstruktion Schräghölzer notwendig. Schon im 13./14. Jahrhundert gab es diese Art der Konstruktion in Verbindung mit stockwerkbildenden Elementen. So wurden besonders an der Hausfront vor das eigentliche Gerüst vorragende Stockwerkfassaden gehängt, die reiche Bürger prunkvoll und aufwendig schmücken ließen. Zur Verhinderung der Ausbreitung von Bränden wurden bald Schutzvorschriften erstellt, wonach jedes neue Haus eine Feuermauer an der Seite zum Nachbarhaus haben musste. Außerdem unterstützte die Stadtverwaltung den Bau eines neuen Hauses, indem sie Tonziegel für die Dachdeckung zur Verfügung stellte.

Die Fußböden in den engen, stickigen und dunklen Räumen des Hauses bestanden meistens aus festgestampftem Lehm, erst seit dem 14. Jahrhundert vereinzelt bei reicheren Familien aus Tonfließen. Im Gegensatz dazu hatten vor allem die Häuser der sozialen Unterschicht und das übrige gewöhnliche Volk eine offene Feuerstelle ohne eigenen Rauchabzug. Kleine Fenster wurden mit Fensterläden oder Leinwand verschlossen, Glasfenster sind zwar ab 1353 in Köln nachweisbar, jedoch nur in öffentlichen Gebäuden. Als Einrichtung gab es hauptsächlich nur grob gezimmerte Möbel und einfache Liegeflächen aus Stroh und Fell als Bett.

Wohn- und Arbeitsstätte der Bürger fielen in ein Haus zusammen. Verkauft wurde auf den heruntergeklappten Fensterläden zur Straße hin, wo sich auch die Werkstätten, Kontore und Warenlager befanden. Dahinter lag die Küche. Im Obergeschoss waren Schlafkammern eingerichtet. Die Unterschicht war in enge, schmutzige und schlechte Räume (wenn überhaupt) eingepfercht.

Ebenso fand man in solchen Räumen auch dementsprechend schlechte Arbeitsverhältnisse vor, obwohl oft den Handwerkern selbst nur die Gerätschaften gehörten, während die Produktionsstätte Gemeinschaftseigentum der Zünfte war. Diese besaßen auch eigene Zunfthäuser. Solche Gesellschafts- und Verwaltungsbauten der Handwerkerzünfte und Kaufmannsgilden mit einem großen Saal für Versammlungen und Festlichkeiten, Büroräumen, Lager- und Schauräumen gab es seit dem späteren Mittelalter. Besonders aufwendig waren die Gewandhäuser der Tuchmacher.

Handwerkerhäuser waren den Bedürfnissen des jeweiligen Betriebes und der Lagerhaltung angepasst. So waren die Häuser der Gerber und Färber oft an einem Flusslauf zusammengefasst und hatten diesem zugewandt breite Türöffnungen bzw. Ladetore.

Bürgerhäuser waren Werkstatt, Wohn-, Geschäfts- und Speicherhaus gleichzeitig. Seit dem späten Mittelalter wohnten hier neben den Eigentümern mit Familie und Gesindel auch Mieter und Untermieter, meistens in sehr schlechten Wohnverhältnissen.

Gaststätten und Gasthäuser bestanden in der Grundausstattung aus der Küche und einem Gastraum. Erst seit dem späten Mittelalter entwickelten sich aus Gasthäusern, Tavernen, Weinstuben, Ausschanklokale der Brauereien, Ratskeller und andere Schenken. So gab es z.B. die Seefahrtshäuser der Hanse, die auch Unterkunft anboten.