Hildegard von Bingen

* 1098, † Kloster Rupertsberg bei Bingen 17.09.1179

Dt. Mystikerin. – Trat als Benediktinerin ins Kloster Disibodenberg an der Nahe ein und gründete zwischen 1147 und 1150 das Kloster Rupertsberg bei Bingen. Hatte schon in ihrer Kindheit Visionen, die sie ab 1141 in mittellateinischer Sprache niederschrieb. Im “Scivias” (lat. “Wisse die Wege”) beschreibt sie, wie sie in einer “unio mystica” (mystische Einheit) mit Gott dessen “lux vivens” (lebendes Licht) voll seliger Freude erfährt. Ihre ausdrucksstarken Bilder der Visionen erinnern an die Offenbarung des Johannes. Neben geheimnisvollen, oft schwer verständlichen Schilderungen stellt sie auch ihre Glaubensansichten dar. Sie spricht sich z.B. für die Ständeordnung aus.

Neben diesen mystischen Schriften entstanden homiletisch-exegetische und historische Abhandlungen, 70 selbstvertonte geistliche Lieder, außerdem naturkundliche Bücher, vor allem das in zwei Teilen überlieferte “Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum”, das die wichtigste Quelle naturkundlicher Kenntnisse des frühen Mittelalter in Mitteleuropa ist.