Joachim von Fiore

* in Celico bei Cosenza um 1130, † San Giovanni in Fiore bei Cosenza um 1202

Ital. Theologe, Mönch und Ordensgründer. – Zunächst Abt des Zisterzienserklosters Corazzo, bis er um 1190 in Fiore (Kalabrien) einen eigenen Orden und ein Kloster gründete, um Wege zu einer intensiveren Verwirklichung mönchischer Lebensformen zu suchen. In umfangreichen Schriften, wie in der Concordia Novi et Veteris Testament (Übereinstimmung des Neuen und des Alten Testaments), entwickelte er eine Geschichtstheologie, derzufolge nach dem Zeitalter des Alten und dem des Neuen Testaments in Kürze ein vollkommenes des Heiligen Geistes anbrechen würde, in dem die Bindung an den Buchstaben des Neuen Testaments durch unmittelbare Erleuchtung der Gläubigen überwunden werden sollte.

Joachim sagte in seinem Evangelium aeternum die Ankunft eines tausendjährigen Reiches der Gerechtigkeit voraus, dem das “schreckliche Gericht über die entartete Kirche und die verderbte Welt” vorangehen werde. Er leugnete die Notwendigkeit des kirchlichen Kults, darunter auch der Sakramente, und predigte als höchstes Ideal der Christenheit die Armut.

Die Wirkungsgeschichte dieser prophet. Geschichtsdeutung läßt sich über Hegel und Schelling bis in die politische Geschichte der Gegenwart nachweisen.