Marktsiedlungen

Im 10. und 11. Jahrhundert unterhielten italienische Städte, wie Venedig, Genua und Pisa, Handelsbeziehungen zu Byzanz und zu Levante. So gelangten orientalische Waren, wie Seide, kostbarer Schmuck und Gewürze soviel Gold, Silber, Waffen und Wein, nach Europa. Italiener, Byzantiner und Levantiner kamen über die Alpen, um diese Luxuswaren an reiche deutsche Feudalherren zu verkaufen. Für ihre Waren handelten sie Pelze, Leder, Wach, Erze und Salz und Metallwaren ein.

Bald beteiligten sich auch wagemutige deutsche Kaufleute an diesem Handel. Die Kaufleute standen unter dem Schutz des Königs und waren frei. Sie nahmen nicht an Heerfahrten des Königs teil, durften aber auf ihren langen Reisen zum Schutz Waffen bei sich führen. Dafür mussten sie dem König eine regelmäßige Abgabe zahlen. Sie genossen Handels- und Zollfreiheit.

Die Kaufleute suchten vor allem die wirtschaftlichen Zentren der großen Grundherrschaften auf. Das waren einmal die königlichen Pfalzen, zum anderen Sitze der großen geistlichen Grundherren, die Bischofssitze und Abteien. Vor allem an diesen kirchlichen Plätzen konnten sie mit einem guten Absatz ihrer Waren rechnen, da die Kirche sehr reich war und besonders an den kirchlichen Festtagen hier viele Menschen aus der weiteren Umgebung zusammenströmten. Auf langen Tischreihen boten die Kaufleute nach der Messe den Feudalherren ihre Luxuswaren an. Auch die Handwerker der umliegenden Fronhöfe und die Bauern legten ihre Erzeugnisse zum Kauf aus, sie hielten Markt. Zur Erinnerung an ihren Ursprung wurden später die jährlichen Märkte „Messen“ genannt.

Neben den Jahrmärkten fanden auch Wochenmärkte statt, auf denen vor allem Lebensmittel und Handwerkserzeugnisse für die unwohnende Bevölkerung zu Verkauf angeboten wurden.

Das Recht, einen Markt zu eröffnen, verlieh der König. Es war mit einem Privileg für den Marktherrn – Bischof, Abt oder Grafen – verbunden, eigene und fremde Kaufleute und Käufer zu Markt zugelassen und von ihnen den Marktzoll zu erheben. Oft erhielt der Marktherr zugleich das Münzrecht. Andererseits war der Marktherr mit seinen Dienstmannen verpflichtet, den Marktfrieden zu sichern und unrechtlichen Handel oder Gewalttaten verhindern. Ein Marktgericht bestrafte jeden, der den Marktfrieden brach.

Die tüchtigsten Handwerker siedelten sich bei diesen Märkten an; denn hier fanden sie zahlreiche Käufer für ihre Waren. Auch die Feudalherren ließen die Handwerker ihrer Höfe dorthin ziehen, sie erhöhten damit ihren Verdienst. Kaufleute legten sich an diesen Orten Warenlager an. Die Handwerker umgaben ihre Siedlung zum Schutz vor Überfällen mit Erdwällen und Pfahlwerk. Jede befestigte Siedlung wurde Burg genannt, die Bewohner Bürger. So entstanden Marktsiedlungen.