Nikolaus von Kues

* Kues (Bernkastell Kues) 1401, † Todi 11.08.1464

Latinisiert Nicolaus Cusanus, Nicolaus de Cusa, eigtl. N. Chrypffs oder Krebs, dt. Kirchenrechtler, Philosoph, Bischof und Kardinal. – Studierte 1416/17 Philosophie und Mathematik in Heidelberg, 1417-23 in Padua, ab 1425 Theologie in Köln, wo er mit der platon. Scholastik des Albertus Magnus und dem log.-myst. Denken des Raimundus Lullus in Berührung kam. Ab 1432 Bevollmächtigter des Trierer Erzbischofs auf dem Basler Konzil; unterstützte zunächst die Konzilspartei, dann die päpstliche Seite. Seine Bemühungen, im Auftrag des Papstes eine Einigung mit den deutschen Fürsten herbeizuführen, endeten mit dem Wiener Konkordat und der Ernennung zum Kardinal (1448). 1450 Fürstbischof von Brixen; 1458 verließ er unter politischem Druck Brixen und begann in Rom als Generalvikar und päpstlicher Legal eine Reform des Klerus als Auftakt zu einer allgemeinen Kirchenreform. Seine Lehre und sein politisches Wirken stehen unter seinem dialektischen Prinzip der Coincidentia oppositorum, mit dem es ihm gelingt, die vier “Regionen” Gott, Engel, Welt und Mensch in einem spekulativen philosophisch – theologischen System zusammenzufassen.

Nikolaus ist einer der ersten Humanisten Deutschlands, der bereits Anschauungen von Gott, Welt und Mensch formuliert, die auch dem neuzeitlichen Denken zugrundeliegen: Gott als die absolute, aktual unendliche Einheit. Entgegen der Meinung der Hochscholastik gibt es in bezug auf die Gotteserkenntnis für ihn nur die als Docta ignorantia begrifflich oder symbolisch gefaßte Formulierung des Nichtwissens von Gott (negative Theologie). Die Welt sieht er als Ausfaltung (explicatio) des Wesens Gottes, in dem alle Dinge eingefaltet sind (complicatio). Der Mensch ist in der so verstandenen Welt das Bindeglied ihrer Teile (copula universi). In seinem erkenntnistheoretischen Hauptwerk “Idiota” (der Laie; 1450) entwickelt er in Dialogform eine Erkenntnistheorie, nach der das menschliche Wissen auf Vergleichen und Messen beruht. Nikolaus gilt auch als einer der bedeutendsten Mathematiker seiner Zeit (Versuche zur Quadratur des Kreises).

Seiner Bibliothek verdanken wir die wichtigste Handschrift (mit der Sigle “C” bezeichnet) des lateinischen Oeuvre Eckharts.