Textilgewerbe im Mittelalter

Große Bedeutung hatte fast überall in Deutschland das Textilgewerbe. Es gab kaum eine größere Stadt, in der nicht wenigstens eine Weberzunft bestanden hatte. Die Erfindung des Trittwebstuhls im 14. Jahrhundert verdoppelte die Arbeitsproduktivität, da der Tritt, der die Kettfäden hob, den bis dahin nötigen zweiten Mann am Webstuhl überflüssig machte. Hauptsächlich wurden Leinwand und Wolltuch gewebt. Seit 1400 etwa wurde aus Kleinasien auch Baumwolle eingeführt, die die Weber mit Leinen zusammen zu Barchent verarbeiteten.

Durch die erhöhte Arbeitsproduktivität benötigten die Weber sehr viele Rohstoffe. Das machten sich reiche Meiser und Kaufleute zunutze. Sie lieferten dem Weber das Garn auf Vorschuss und nahmen das fertige Gewebe ab. So wurde der Weber allmählich vom Rohstoffverkäufer und vom Käufer der Fertigwaren getrennt. Diese Betriebsform, bei der die Produzenten vom Markt getrennt sind, nennt man „Verlag“. Der „verlegte“ Handwerker wurde zum bloßen Arbeiter, der um Lohn für den Verleger produzierte.  Für große Verleger arbeiteten ganze Zünfte, manche lieferten den Webern auch die Webstühle.