Uhr im Mittelalter

Die Mängel der Sonnenuhren, die nur bei Tage und heiterem Himmel brauchbar sind, ließ schon das Altertum auf die Erfindung der Wasser-Uhr kommen. Durch ein bestimmtes Maß verronnenen Wassers zeigt sie die Stunden an. Als ihre Erfinder werden die Babylonier angegeben, von denen sie zu Ehrus Zeiten zu den asiatischen Griechen, von diesen zu den europäischen Griechen und zu den übrigen Völkern Europas gekommen sind. So soll Julius Cäsar eine Wasseruhr aus Britannien nach Rom gebracht haben. Als ein besonderes Kunstwerk galt die Wasseruhr, die der Kalif Harun als Raschid Karl dem Großen zum Geschenke sandte. Hier und da ersetzte man den Gebrauch des Wassers durch die zuverlässigere Anwendung von trockenem Sande. Alles diese unbequemen und ungenauen Arten der Zeitmessung wurden in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters durch die Räderuhren verdrängt, die man mittels Gewichte oder elastischer  Federn in Bewegung setzt. Die ersten Räderuhren kommen um das Jahr 1000 vor. Der berühmte Gerbert von Aurillac, der als Silvester II. auf dem päpstlichen Stuhle saß, fertigte eine solche, doch fehlte ihr der Schlag. Wer diesen hinzugefügt hat, ist nicht bekannt. Schlaguhren werden zuerst im 12.  Jahrhundert erwähnt, scheinen aber erst nach Mitte des 14. Jahrhunderts in Stadthäusern, Kirchen und Klöstern allgemein geworden zu sein, obgleich ein englischer Mechaniker schon 1288 ein Privilegium für die Fertigung einer Uhr für den Westminsterturm erhalten haben soll.

Im 14. Jahrhundert macht sich ein Deutscher, Heinrich de Wyk, berühmt durch die kunstvolle Schlaguhr, die er auf Befehl des Königs von Frankreichs Karl V., auf den königlichen Palast in Paris setzte. In Deutschland scheint das gewerbtätige Augsburg die ersten Schlaguhren gehabt zu haben. Vollkommenheit und Sicherheit entbehrten  aber alle diese Uhren, weil ihnen das Pendel fehlte. Dieses erfanden im 17. Jahrhundert der Florentiner Galilei und der Holländer Hungens. Dagegen hat es schon vor Ablauf des Mittelalters künstlichen Taschenuhren gegeben. Der Ruhm dieser Erfindung  gebührt ebenfalls einem Deutschen, Peter Henlein, der um das Jahr 1500 Schlossermeister zu Nürnberg war. Er fertigte die ersten, in ihrer Form noch ziemlich ungeschickten, unter dem Namen „Nürnberger Eierlein“ bekannten Uhren. Kaiser Karl V. beschäftige sich gern mit der Uhrmacherkunst.