Ungarn im Mittelalter

Zwischen 894 und 900 war das Karpatenbecken von den aus Osten zugewanderten Magyaren besetzt worden, deren Plünderungszüge in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts in weiten Teilen Europas (bis hin nach Spanien und Dänemark) Angst und Schrecken verbreiteten, bis Niederlagen gegen die Könige Heinrich I. (bei Riade, 933) und Otto I. (auf dem Lechfeld, 955) diese Epoche beendeten. In den folgenden Jahrzehnten nahmen die regierenden Fürsten aus dem Hause Arpad diplomatische Kontakte zu den Nachbarn auf. Der Großfürst Vajk ließ sich taufen, nahm den Namen Stephan an, erhielt 1000/1001 vom Papst eine bis heute erhaltene, als Symbol der Staatlichkeit Ungarns angesehene Krone und wurde so der Begründer des christlichen Königsreichs Ungarn, das bis 1301 von Königen aus dem Hause Arpad regiert wurde. Da es keine feste Thronfolgeregelung gab, kam es mehrfach zu internen Auseinandersetzungen um den Thron, die den Nachbarn, vor allem den Kaisern in Byzanz und den deutschen Königen und Kaisern, Gelegenheit zum Eingreifen boten. Im 12. Jahrhundert wurden Kroatien, Dalmatien und Slavonien dem Königreich einverleibt. König Andreas II. (1205-1235), der seinen Einfluß auf Serbien, Bosnien, Galizien, Kumanien (die spätere Walachei) und Bulgarien ausdehnen konnte, mußte im Inneren wesentliche Zugeständnisse an Adel und Klerus machen; 1224 erließ er ein Privileg für die aus dem deutschen Sprachraum stammenden Siedler in Siebenbürgen. Andreas II. war der Vater der 1231 gestorbenen und 1236 heiliggesprochenen Landgräfin Elisabeth von Thüringen. 1241 verwüsteten die Mongolen Ungarn. König Béla IV. mußte nach Österreich fliehen, konnte sich aber in der nun folgenden Epoche des Wiederaufbaus große Verdienste erwerben.

Nach dem Tod des letzten Arpaden kämpften zunächst mehrere Bewerber um den Thron, bis sich der aus einer Nebenlinie des französischen Königshauses stammende Karl I. Robert durchsetzen konnte. Unter ihm und seinem Sohn Ludwig (1342-1382), der 1370 auch König von Polen wurde, erlebte Ungarn einen gewaltigen Aufschwung, der seine Grundlage in dem nunmehr einsetzenden Silber- und Goldbergbau hatte. Ludwigs Tochter Maria (Königin 1382-1395) heiratete Sigmund von Luxemburg, Sohn Kaiser Karls IV. (König von Ungarn 1387-1437, römischer König 1410, König von Böhmen 1419, Kaiser 1436). Unter seiner Regierung erschienen an der Südgrenze des Reiches die osmanischen Türken, gegen die ein aus Festungen bestehendes Verteidigungsssystem errichtet wurde. Nach 1440 kam es zu einer jahrzehntelangen Nachfolgekrise. König Matthias Corvinus (1458-1490), ein bedeutender Kunstmäzen und Büchersammler, Gründer der kurzlebigen Universität Preßburg, unterhielt ein schlagkräftiges Söldnerheer, mit dem er in Böhmen, Polen und Österreich militärisch eingriff. Diese Aktivitäten brachten das Land an den Rand seiner finanziellen Belastbarkeit. Ihm folgten zwei aus dem polnischen Königshaus stammende Könige. Am 29. August 1526 erlitt das ungarische Heer bei Mohacz eine katastrophale Niederlage gegen die Türken, die in der Folge weite Teile des Landes besetzten; König Ludwig II. fiel in der Schlacht. Den Titel eines Königs von Ungarn führten ab 1526 die römischen Könige und Kaiser aus dem Hause Habsburg.