Weltliche Musik im Mittelalter

Die weltliche Musik entstand teilweise aus der kirchlichen Musik, deren ungenauen Noten anders interpretiert wurden und einem anderen Text zugeordnet wurden. Bis zum 12. Jahrhundert gab es nur wenig Dokumente über weltlichen Gesang. Die Lieder wurden meist mündlich weitergegeben und waren noch einstimmig. Minnesänger und Troubadoure zogen durch die Lande und trugen ihre Lieder an Höfen des französischen Adels vor. Von dort verbreiteten sie sich über Spanien, Italien und Deutschland. Dort waren die bekanntesten Minnesänger Oswald von Wolkenstein und Walter von der Vogelweide. Die meisten Minnesänger begleiteten ihren Gesang auf Saiteninstrumenten. Sehr verbreitet waren die Fiedel, die Viole und die Harfe. Inhalt dieser Lieder war hauptsächlich die Verehrung der edlen Fräulein. Die Spielleute spielten auch zu Tanz auf, dabei entstanden erste Instrumentalstücke. Über die Kunst der Minnesänger weiß man sehr viel, da es zu dieser Zeit schobln eine ausgeprägte Notenschrift gab, die Ungenauigkeiten ausschloss. Ab dem 14. Jahrhundert kam der Minnesang nur noch selten vor. Stattdessen wurden von den Bürgern eigene Lieder geschaffen und Meistersinger-schulen gegründet, an denen sie ihre Sänger ausbildeten. Auch die einfachen Bauern erfanden ihre eigenen Lieder, die sie hauptsächlich abends in Gasthäusern sangen. Sie wurden von Flöten, Dudelsäcken oder Handtrommeln begleitet. Die Texte dieser Lieder wurden in der Carmina burana(lat. = Bäuerliche Lieder) gesammelt. Die Mehrstimmigkeit entstand bei den weltlichen Liedern erst ab dem 13. Jahrhundert. Die Musiker Leoninus und Perotinus spielten bei der Weiterentwicklung der Mehrstimmigkeit eine große Rolle. Die Musik bis zu diesem Zeitpunkt wird als Ars antiqua (alte Kunst) bezeichnet.

Die weltliche Musik im Mittelalter

Die weltliche Musik im Mittelalter

Die weltliche Musik im Mittelalter

Die weltliche Musik im Mittelalter

Ein Minnelied: Die Guete der Frau

Wart ie bezzer iht für ungemüete
danne wibes güete..
des erkenne ich niht:
swaz ein man verborgen
leides unde sorgen
allen tac ze herzen hat geslozzen,

daz kan im ze naht sin
frouwe büezen:
von ir werden süezen
minnen liep geschiht
sinem senden libe.
Wol dem reinen wibe
die niht hoher eren hat verdrozzen!

diu tiuret unde croenet mit ir edeln
tugenden werden man:
swenne si mit spiegelliehten ougen
in geblicket tougen
herzeclichen an,
unde uz rotem munde
lachet im vor grunde:
so hat in der saelen tou begozzen.Gab es je etwas Besseres gegen Kummer
als die Güte einer Frau?
Mir ist nichts bekannt.
Alles was ein Mann heimlich an
Leid und Sorgen
den Tag hindurch in sein Herz verschlossen hat,
davon kann ihn des nachts seine geliebte
Frau erlösen.
Durch ihre herrliche, sanfte
Liebe ergeht es
seinem sehnenden Körper gut.
Wohl der vollkommenen Frau,
die dieser hohen Ehre nicht überdrüssig ist!
Mit ihren edlen Gaben ehrt und krönt sie ihren lieben Mann.
Wann immer sie mit spiegelklaren Augen
ihn im Stillen
herzlich anblickt
und mit rotem Mund
von ganzem Herzen anlacht..
dann ist der Tau der Glückseligkeit auf ihn gefallen.