Wilhelm von Ockham

* Ockham (Surrey) um 1280/85, † München nach 1347/49

Engl. Theologe und Philosoph, Beiname doctor invincibilis (“unbesiegbarer Gelehrter”). – Ab 1309 Student in Oxford, später Magister Theologiae (1321). Vom Oxforder Kanzler Lutterell der Häresie angeklagt, wurde er nach Avignon vor Papst Johannes XXII. zitiert und festgesetzt; er floh 1328 zu Ludwig IV., dem Bayern, nach Pisa, ging später mit dem Kaiser nach München und wurde dessen Beistand im Kampf mit den Päpsten; in München entstanden die Schriften über Kirche und Staat (Summa logicae). – Ockham war Haupt der Via moderna, die Glauben und Wissen zu trennen suchte, und die Fähigkeit der Vernunft, Übersinnliches zu erkennen, leugnete. Der Glaube kann deshalb nur mit der Autorität der Kirche begründet werden, deren Entscheidungen als willkürlich angesehen werden müssen. Im Universalienstreit wandte er sich gegen jeden Realismus: die Allgemeinbegriffe sind Zeichen (“Termini”), die außerhalb der Seele keine Realität haben. Durch die Trennung von Theologie und Philosophie wurde die “via moderna” Ausgangsort der modernen Philosophie.

Gegner der Scholastik. Diese versuche, das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen, indem sie aus allgemeinen Begriffen (z.B. Gott) die Individualität herleiten wolle. Das Wirkliche sei aber das Einzelne, das von der Vernunft benennbar sei. Die Theologie, ebenso Gott und die kirchlichen Dogmen, entziehe sich jeder logischen Überprüfung, weil theologische Urteile nicht durch die Erfahrung belegbar seien. Diese Philosophie führte noch nicht zu seiner Verfolgung, sondern erst seine Papstkritik: “Der Papst ist nicht befugt irgendein menschliches Wesen seiner natürlichen Rechte zu berauben…”