Bergbau auf Metallerze




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Bergbau auf Metallerze. In den waldigen Mittelgebirgen Deutschlands hatte der Bergbau bereits zu Beginn des Mittelalter eine lange Tradition, die örtlich bis in prähistorische Zeit zurückreicht. Auch der Bergbau am Erzberg in der Steiermark wurde seit vorgeschichtlicher Zeit betrieben. Seit der Bronzezeit (um 2000 v. Ch.) wurde am Mitterberg bei Salzburg kupferhaltiges Erz in Tag- und Untertagebau gewonnen. Für die Zeit der Römerherrschaft gibt es schriftliche Belege für Bergbau in den mitteleuropäischen Provinzen. Danach verschwindet er bis auf verstreute Inseln, wo bis zum 10. Jh. vorwiegend auf Eisen geschürft wurde. Die Verhüttung geschah als bäuerlicher Nebenerwerb, ein Teil des Eisens stand den jeweiligen Grundherrn als Teil der geschuldeten Abgaben zu. Im 10. Jh. stieg aufgrund der aufblühenden Wirtschaft und wegen des nachlassenden Zustroms arabischer Silbermünzen der Bedarf an silberhaltigen Erzen. Silberbergwerke sind belegt für den Harz (968), für die Vogesen (984), den Schwarzwald (1028) und das sächs. Erzgebirge (1168).

Im Hochmittelalter galt das Deutsche Reich als das metallreichste Gebiet Europas. Man förderte Blei in der Eifel, Zink (Met.) (Galmei) am Altenberg bei Aachen, Zinn im Erzgebirge, Gold in Sachsen, im Fichtelgebirge, in Schlesien, Böhmen und Mähren, Salzburg und Kärnten, Kupfer am Harz (Goslar, Mansfeld), im Frankenwald, im Erzgebirge, in der Eifel, im Schwarzwald, in Tirol (Schwaz), in Böhmen (Iglau, Kuttenberg), in Niederungarn (Slowakei) und in Schlesien, Eisen in Kärnten und in der Steiermark, in der Oberpfalz, im Sieger- und im Sauerland, in der Eifel, im Harz, in Thüringen und im Fichtelgebirge, Silber im Harz (s. Goslar), in den Vogesen (Markirch), in Sachsen (Freiberg, Annaberg, Schneeberg), im Schwarzwald (bei Freiburg/Br.), in Tirol (Schwaz), in Niederungarn (Schemnitz, Kremnitz) und in Böhmen (Kuttenberg). Steinkohleförderung in größerem Umfang sollte in Deutschland erst um 1750 beginnen.

Mit der Erschöpfung oberflächennaher Lager (bis ca. 12 m) wurde der Abbau in größere Tiefen getrieben und damit schwieriger und gefährlicher. Die technischen Probleme, die dabei zu bewältigen waren, machten den Bergbau zum neuerungsträchtigsten Gewerbe des Mittelalter

Das erzhaltige Gestein wurde durch die Hitze des “Feuersetzens” und nachfolgendes Abschrecken mit Wasser gelockert, von den Knappen mit Schlägel und “Bergeisen” (einer Art Meißel), Brechstangen und Hauen abgebaut und in Holzmulden und Körben zu Tage gefördert. Hilfsmittel waren handgetriebene Seilwinden (s. Haspel), primitive Leiterngänge (“Fahrten”) von Sohle zu Sohle, Leder- und Holzeimer zur Förderung des Grundwassers und offenes Licht. (Grubenlampen mit Tran- und Ölspeisung konnten unbesorgt benutzt werden, da schlagende Wetter im Erzbergbau nicht drohten – es wurde denn zufällig ein Kohleflöz aufgetan.)

Um ein Bergwerk betreiben zu können, musste es entwässert und belüftet werden, sonst würden die Förderstrecken im Grundwasser absaufen, das Grubenlicht verlöschen und das Atmen zur Qual geworden sein. Daher wurde zunächst ein großer Stollen in den Berg getrieben, welcher nur zur Entwässerung und Belüftung diente. Da er anfangs kein gewinnträchtiges Erz erbrachte sondern nur hohe Gestehungskosten, wurde er fast ausschließlich von kapitalkräftigen Grundherren gebaut. In deren Besitz blieb dieser ®”Erbstollen” denn auch, sie sorgten für seine Erhaltung und kassierten einen Anteil am Ertrag der über ihn erschlossenen Seitengänge (Strecken). Gegen Ende des Mittelalter wurde die Arbeit durch bessere Fördereinrichtungen erleichtert. So wurde die Haspelwinde der Aufzüge durch Tretrad und Tiergöpel mit Umlenkgetriebe, gegen Ende des Mittelalter auch durch oberschlächtige Wasserräder ersetzt. Mit Wasserhebemaschinen wurde zwar experimentiert, sie kamen jedoch erst später zu praktischer Verwendbarkeit. Förderwagen scheinen in den Stollen und Strecken seit dem 12. Jh. benutzt worden zu sein. Gegen Ende des 15. Jh. kamen auch in Holzschienen geführte Wagen (Hunte) in Gebrauch.

Im 14. Jh. kam es infolge verschiedener Umstände zu einer Krise des Bergbaus in Mitteleuropa. So hielt die Technik der Wasserlösung nicht Schritt mit der Notwendigkeit, den Bergbau nach Erschöpfung oberflächennaher Lager in immer größere Tiefen vorzutreiben – viele Gruben soffen ab; seuchenbedingte Bevölkerungsverluste (Pest), Klimaverschlechterung und Holzmangel infolge massiven Raubbaus waren weitere limitierende Faktoren. Nach der Mitte des 14. Jh. fielen daher in ganz Mitteleuropa viele Bergbausiedlungen und Bergstädte wüst. Am ehesten überlebten jene Bergstädte, die Handwerks- und Gewerbezentrum des jeweiligen Umlandes geworden waren.

Erheblichen Anteil an der Entwicklung bergmännischer Prospektion, an der Ausbeutung von Bodenschätzen und an deren Verwertung hatten Brüder des Ordens der Zisterzienser. Für zahlreiche Zisterzienserklöster bildeten Bergbau, Hütten- und Salinenwesen denn auch die bedeutendsten wirtschaftlichen Erwerbszweige. Als Beispiele seien genannt: Kloster Walkenried bei Bad Sachsa mit seinem Kupfer- und Silberabbau, Kloster Hainau (Nordhessen) mit seiner Eisenerzverarbeitung, Grünhain (im sächsischen Erzgebirge) mit seiner Förderung von Zinn, Silber und – um die Mitte des 15. Jh. – auch Steinkohle (bei Zwickau) sowie die Reichsabtei Salem mit ihren Salinen im Tirolischen Hallein.

Im Aberglauben schlug sich die mühevolle und gefährliche Arbeit in einer lichtlosen, bedrohlichen und unheimlichen Umgebung mit Geschichten um Berggeister, Zwerge, verwunschene Gold- und Silberschätze nieder.

(s. Arschleder, Bergleute, Bergfreiheiten, Berufskrankheiten, Bergrecht, Bergstädte, Bewetterung, Erbstollen, Erz, Erzaufbereitung, Feuersetzen, Förderung (Mont.), gewältigen, Gewerkschaft, Gezähe, Grubenlampe, Haspel, Hunt, Kehrrad, Kohleförderung, Kuxe, Markscheidekunst, Metalle, Metallurgie, Mutung, Pinge, Pochmühlen, Röstung, Salzgewinnung, Schachtfahrung, Solegewinnung, Stollen, Umweltprobleme, Waschwerke, Wasserhaltung, Wasserkünste)




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