Dachdecker

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Dachdecker (mhd. decker, mndd. huysdecker; mlat. tegulator). Ein eigenständiges Dachdeckerhandwerk dürfte sich erst im Hochmittelalter herausgebildet haben. Vorher war das Eindecken der Häuser mit Holzschindeln Arbeit der Zimmerleute, das mit Steinplatten der Maurer, das mit Bleiplatten Sache des Bleideckers (plumbarius, plumbator). Auch die Deckung mit Stroh- oder Reetbündeln (schoup-dach) war von ausgefeilter Technik und bedurfte spezieller Werkzeuge, sodass ihr wohl auch ihr nur gelernte Facharbeiter gewachsen waren.

Ein Aufschwung für das Dachdeckerhandwerk ergab sich im 14. Jh., als die Städte Vorschriften gegen Stroh- und Schindelbedachung erließen, um die Feuersgefahr zu mindern. Schon im 12. Jh. hatte man in West- und Mitteldeutschland die Schieferdeckerei gekannt, der Schieferdecker (steindecker; auch leiendecker v. mhd. leie = Fels, Stein, Schiefer) wurde lat. “tector petrarum” oder “petretector” genannt. In den anderen Gegenden Deutschlands kamen Ziegeldächer auf, zunächst aus irdenen Hohlziegeln, die im Verband “Mönch und Nonne” verlegt wurden: dabei wechselten muldenförmige (konkave) Unterziegel mit obengewölbten (konvexen) Deckziegeln. “Klosterziegel” waren einteilige Mönch-Nonnen-Ziegel. In der zweiten Hälfte des 15. Jh. kamen die billigeren Flachziegel auf. Zum Handwerkszeug der Dachdecker gehörten Leiter, Hammer, Kelle und Mörteleimer (die Ziegel wurden untereinander mit Mörtel verbunden). Schieferdecker hatten noch eine Haue, um Kanten abzugleichen und Nagellöcher zu schlagen.

Dachdecker waren in eigenen Zünften oder zusammen mit den Maurern organisiert, anderswo galten sie als “freies Gewerbe”, waren also keinem Zunftzwang ausgesetzt. Dachdecker gehörten zu den bestbezahlten Handwerkern des MA., ihr Handwerk blieb, im Gegensatz zu Maurer- und Zimmererbetrieben, kleinbetrieblich strukturiert.

(s. Dachdeckung, Dachziegel, Feuerordnung, Leiendecker)

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