Kolik

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Kolik (grch. koliké [nosos], lat colica passio = Darmleiden; mhd. grimme). Heftiger, teilweise krampfhafter von einem der Bauchorgane (Darm, Galle, Niere, Blase) ausgehender Schmerz, evtl. mit Übelkeit, Erbrechen, Aufgasung, Durchfall oder Verstopfung sowie Schweißausbruch und allgemeiner Schwäche einhergehend. Ebenso vielgestaltig wie die Symptomatik waren die Bezeichnungen und die vermuteten Ursachen.

Letztere suchte man vor allem in schädlichen oder verdorbenen, in schwerverdaulichen oder nicht gargekochten Speisen, in unbekömmlichen oder übermäßig genossenen Getränken, auch in einem krankhaften Zustand des Körpers, in Erkältung oder im Befall mit Eingeweidewürmern. Als schädlich galten nicht nur giftige oder verdorbene Speisen sondern auch solche, deren Qualitäten nicht im richtigen Verhältnis zueinander standen.

Das Arzneibuch Macer Floridus (10./11. Jh.) empfiehlt ein Klistier mit Rautenblättern (Ruta graveolens) gegen “sämtliche Darmkrankheiten” und “geriebenen Dill (Anethum graveolens) in lauem Wasser” gegen “Schmerz von Darm und Bauch”. Als Mittel gegen quälende “Windblähung” rät er den Kreuzkümmel (kymion, cuminum) an, ebenso der Circa instans (12. Jh.), der ihn als Mittel gegen Koliken preist.

Hildegard von Bingen (12. Jh.) schreibt in Causae et Curae von der Ursache der Kolik: “… wenn zu große und verkehrte Glut im Menschen steckt, diese die aufgenommene Nahrung durch und durch verbrennt oder, wenn zu große und verkehrte Kälte in ihm ist, die verzehrte Nahrung in ihm nicht zerteilt werden kann … und so im Menschen verbleibt und dieser leidet.” – An anderer Stelle heißt es: “Ein Mensch, den die Kolik plagt, soll etwas Ingwer und eine große Portion Zimt nehmen und pulverisieren.” Zusammen mit Fenchel, Salbei und anderen Zutaten entsteht ein schmerzlindernder Trank, der aufgrund seiner Wärme die Kolik vertriebe, die von kalten Säften komme.

Konrad von Megenberg (14. Jh.) schreibt von “grimmen in dem Leib … haizt ze latein colica”. Er empfiehlt den Saft der Süßholzwurzel gegen Blähungen und Darmkoliken.

Die Volksmedizin sieht Darmkoliken als verwandt mit den Wehenschmerzen und kennt eine Vielfalt von Gegenmitteln, die von abergläubischen Riten (Heilzauber) über Heilmittel aus dem Pflanzenreich bis zu obskuren Spezialitäten wie Pferdemist reichen.

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