Obstgarten

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Obstgarten (mhd. obez, obz, eigtl. = Zukost). Aus einer profanen Anlage des Gartenbaus und aus dem Wurzgarten der Burgen wurde bis zum Spätmittelalter eine kunstvolle, vom Treiben der Welt abgeschiedene Idylle. Der Obst- und Blumengarten diente der Geselligkeit wie der heimlichen Liebe, er war Abbild des bibl. Paradieses (des “Gartens der Lüste”) und zauberischer Hort des Jungbrunnens. Er war eine von Menschenhand geschaffene, bis zur Erlesenheit kultivierte Komposition mit stets den gleichen Versatzstücken: der schützenden Mauer, Obstbäumen, Blumen, Rasenbänken, dem Brunnen oder Badebecken, fröhlichen Menschen, Musik, Vogelsang und Blütenduft.

Eine große Rolle spielte das Garten-Motiv auch in literarischen und bildnerischen Werken des spätmittelalterliche Marienkults, als mauer- oder heckenumhegten Hortus conclusus (die marianische Jungfräulichkeit symbolisierend) oder als Paradiesgärtlein. Das Bild geht zurück auf das Hohe Lied (4, 12). (Beispiel: “Paradiesgärtlein” eines oberrhein. Meisters, um 1410, Frankfurt/M., Städelsches Kunstinstitut.)

Die Farbenpracht, wie sie die Blumenfülle in das zitierte “Paradiesgärtlein” zauberte, leuchtete im Mittelalter nur während des Frühlings und Frühsommers, danach gab es nur noch Grüntöne, bis im Herbst das reifende Obst und das umfärbende Laub wieder farbige Akzente setzten.

Als Beispiel hochherrschaftlicher Gärten seien die “Hängenden Gärten” (horti pensiles) genannt, die Kaiser Friedrich III. an der Südseite der Nürnberger Kaiserburg anlegen ließ. Pfeilergestützte Decken trugen das Erdreich, in welchem Kräuter, Blumen, Wein und kleine Obstbäume wuchsen.

Im Frühmittelalter wurde der Friedhof häufig in Obstgärten – besonders denen von Klöstern – angelegt (“Baum- und Totengarten”). Wohl, weil das Erblühen und Verwelken der Bäume im Jahreskreis an das Wachsen und Vergehen des Menschenlebens gemahnten.

(s. Obstbau)

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