Pestfriedhöfe

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Pestfriedhöfe. Beim massenhaften Sterben infolge von Seuchenzügen – etwa von Ruhr oder Cholera, besonders aber der Pest – musste mancherorts die Einzelbestattung zugunsten der Bestattung in Massengräbern mit bis zu mehreren hundert Toten aufgegeben werden. Die eilige Bestattung war geboten, um die ohnehin miserablen hygienischen Zustände sich nicht noch weiter verschlechtern zu lassen; zudem verfügte man nicht über genügend Personal für umgehende Einzelbestattungen. Massengräber legte man zunächst auf regulären Friedhöfen oder auf Spitalfriedhöfen an, erst im 14./15. Jh. ging man dazu über, Pestfriedhöfe außerhalb der Mauern einzurichten. Charakteristischerweise liegen die Toten in Pestgräbern nicht in der üblichen Ost-West-Ausrichtung sondern eher regellos, wie eilig abgelegt oder hineingeworfen. Gelegentlich kommt eine abschließende Deckschicht aus ungelöschtem Kalk vor. In den Notgräbern ist die Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen gegenüber derjenigen der – sonst überwiegenden – älteren Individuen deutlich überrepräsentiert. Das rührt wohl daher, dass Ältere sich Immunität erworben hatten und daher zu geringerer Sterblichkeit neigten. Kinder bestattete man in eigenen Gräbern. Da aus den anthropologischen Befunden untersuchter Massengräber die epidemiologische Ursache des Sterbens nicht hervorgeht, kann man nur diejenigen als Pestfriedhöfe bezeichnen, die in Chroniken, Pestakten oder anderen Quellen als solche belegt sind.

(s. Skelettbefunde)

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