Tinte

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Tinte (mhd. tin[c]te, ahd. tincta; v. mlat. tincta aqua = gefärbtes Wasser; zu lat. tingere = färben). Für die Herstellung von Schreibtinte gab es eine Vielzahl von Rezepturen, entsprechend unterschiedlich waren die Farbtöne; sie reichten von schwarzblau, schwarz über schwarzbraun, braun bis gelblich. In der “Schedula diversarum artium” (um 1100) des Theophilus finden sich Rezepturen auch zur Tintenherstellung. So wurde beispielsweise zur Herstellung der rotbraunen “Dornentinte” Schlehhen- oder Weißdornrinde getrocknet, verrieben, in Wasser ausgelaugt und langsam verkocht; das Tintenkonzentrat wurde in kleine Pergamentbeutel gefüllt und an der Sonne getrocknet. Das Pulver wurde zum Gebrauch mit Wein und etwas Eisenvitriol gebrauchsfertig gemacht (Dornentinte ist wasser- und lichtfest).

Durch Abkochen von gerbstoffhaltigen Eichengallen mit wasserlöslichem Eisen- oder Kupfersulfat wurde purpurschwarze “Eisengallus-Tinte” gewonnen. Das Pulver, das sich durch Entwässerung des Dekokts ergab, wurde mit Gummi arabicum und Wein (bzw. Essig, Wasser oder Bier) zu gebrauchsfertiger Tinte angerieben. (Sie ist wasser-, aber nicht lichtfest, verblasst zu Braun; verursacht beim Altern durch Freisetzen von Schwefelsäure den gefürchteten “Tintenfraß”).

Die klassische “Rußtinte” (atramentum librarium) wurde aus Ruß und Gummi unter Zugabe von Wasser, Ochsengalle oder Essig und Eiweiß angemischt. (Der Ruß bewirkte die Färbung, die Ochsengalle die Vermischung von Ruß und Flüssigkeit, das Eiweiß das Haften der Tinte auf dem Schreibgrund, und das Wasser die schreibfähige Konsistenz der Tinte. Rußtinte hatte den Nachteil, beim Blättern mit angefeuchtetem Finger leicht zu verwischen.

Das Rot der Rubrikatoren (mhd. rubrike, v. lat. rubrica [terra] = rote Erde, roter Farbstoff) bestand aus Zinnober (einem quecksilberhaltigen Mineral; mhd. zinober, v. lat. cinnabaris) oder Mennige (mhd. menige, ahd. minig; v. lat. minium, einem Bleioxyd). Äußerst kostspielig war die purpurrote Farbe, die aus der Purpurschnecke des Mittelmeers gewonnen wurde: ca. zehntausend Exemplare wurden zur Herstellung von 1,2 gr. Farbpulver gebraucht. Purpur wurde daher nur für besonders wertvolle Prachtcodices verwendet, ebenso Gold- und Silbertinten. (Letztere wurden aus einem im Mörser erriebenen Pulver des jeweiligen Metalls unter Zusatz von Leim hergestellt. Da das Pulver in Muscheln aufbewahrt und gehandelt wurde, trug es den Namen “Muschelgold”.)

Zur Verwahrung der Tinten – üblicherweise schwarzer und roter – benutzten mittelalterliche Schreiber Rinderhörner (cornua), die auf handliche Größe eingekürzt, geglättet und poliert waren.

(s. Farbenherstellung, Galle, Gummi, Rußbrenner)

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