Umgangsformen




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Umgangsformen. Die Umgangsformen der mittelalterliche Gesellschaft orientierten sich an den Verhaltensnormen der Eliten, also mönchischer, geistlicher und höfischer Stände, und wurden umso unvollkommener praktiziert, je tiefer eine Gesellschaftsschicht unter den Eliten lag. Monastische Lebensart und höfische Etikette waren zwar nicht deckungsgleich, beeinflussten sich jedoch gegenseitig auf vielfältige Weise. So war der Stand der Ordensritter mönchischen Regeln verpflichtet, legten sich andererseits hohe Geistliche feudalen Lebensstil zu (bzw. behielten diesen bei). Auch bei der hohen Wertschätzung, wie sie sowohl der Minneherrin als auch der Gottesmutter entgegengebracht wurde, bestand eine wechselweise Verbindung.

Als Beispiel eines prägenden Vorbildes seien die monastischen Tischsitten genannt, wie sie in den Codices consuetudinariis festgelegt waren: als honeste et religiose galten das Auflegen eines Tischtuchs und der Gebrauch von Servietten, Schweigen während der Mahlzeit, geregelte Speisefolge und gegenseitige Höflichkeit.

Die Erziehung zu gesittetem Benehmen im sozialen Umgang war vor allem Sache der Mutter, darüberhinaus der Familie, gesellschaftlicher Gruppen (sei es in Bauerndörfern, Klöstern oder Ritterburgen) und – so denn eine besucht wurde – der jeweiligen Schule. Die einzuübenden Sitten betrafen besonders Gegenstände wie Begrüßung (s. Anrede, Gruß), Brautwerbung, Eheschließung, Geburt, Tod, Kleidung (s. Kleiderordnung), Gebärden (s. Gebärdensymbolik), Sprechweise (s. Disziplin) und das Benehmen bei Tisch.

Dass manche Anstandsregeln selbst bei Hofe nicht selbstverständlich waren und nur sporadisch beachtet wurden, belegen Hof- und Tischzuchten des Hochmittelalter und Spätmittelalter Im Spätmittelalter versuchte das arrivierte Bürgertum, sich die Umgangsformen des Adels anzueignen, während sich der Stil höfischer Lebensart weiter verfeinerte.

(s. Erziehung; höfische Kultur; höfische Minne; Hofzuchten; Klosterleben; Ritterlichkeit; Ruodlieb; Tischzuchten; Unzucht)




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