Volksglauben

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Lexikon des Mittealters Dubai Schokolade, das einzigartige Malbuch Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Volksglauben, Volksfrömmigkeit (Volks-, Laienreligiosität). Der mittelalterliche Volksglauben hatte sowohl schichtenspezifische wie schichtenübergreifende Ausformungen; ihm hingen zwar hochgestellte, gebildete Laien wie gemeine, illiterate Leute und Angehörige zumindest des niederen Klerus gleichermaßen an, jedoch differenzierten sich je nach Gesellschaftsgruppen unterschiedliche Frömmigkeits- und Brauchtumsformen aus: so hatte etwa der bäuerliche Teil des „Volks“ andere Beweggründe und Praktiken der Frömmigkeit als städtische Zunft- oder Bruderschaftsgenossen. Laienfrömmigkeit war die Kehrseite er elitären Orthodoxie und lässt sich definieren als Überlagerung von magischen und christlichen Vorstellungen, als Vermengung von Aberglauben (superstitio) und Frömmigkeit (pietas). Als Volksfrömmigkeit bezeichnet man Brauchtum, das auf christlichen Vorstellungen oder auf christl. überformten vorchristl. Bräuchen basiert, jedoch ohne auslösendes Zutun der Amtskirche entstanden ist, z.B. Heiligen-, Reliquien- und Wunderkulte, Segnungs-, Beschwörungs- und Devotionalienwesen, Bilderverehrung, Geißlerzüge oder fruchtbarkeitsmagische Flurprozessionen.

Viele Bräuche des Mittelalter entstammten Symbolhandlungen des vorchristl. Volksglaubens, so etwa die Frühlings- und Fasnachtsriten (s. Fasnacht), das Notfeuer oder das seit dem 12. Jh. für ganz Europa belegte Johannisfeuer. Der Amtskirche ist es während des gesamten Mittelalters nicht gelungen, diese neben dem offiziellen Glauben wuchernde magisch-religiöse Praxis zu unterdrücken; sie musste sie vielmehr – soweit sie nicht in Häresie umschlug – dulden, um nicht an Rückhalt in der Bevölkerung zu verlieren (s. Sakramentenzauber).

Um den Unterschied zwischen der gelehrten, „höheren“ Gottesgelehrtheit und dem vergröberten Glauben des gemeinen Volkes zu überbrücken, entstanden schriftliche Abhandlungen, welche die theologischen Hauptsätze in vereinfachter Form darlegten; gedacht waren sie als Hilfe für die Verfassung von allgemeinverständlichen Predigten. Als Beispiel sei der Elucidarius (Der Erleuchtete) des Honorius Augustodunensis genannt, der um die Wende des 11./12. Jh. entstand und sich über Jahrhunderte hinweg großer Beliebtheit erfreute. Der gleichen Art sind „De imagine mundi“ und „Clavis physicae“ desselben Autors.

(s. Aberglaube, Devotionalien, Drei hl. Jungfrauen, Drei hl. Madl, durchkriechen, Erdställe, Glaube, Heilige, Heiligentage, Krankheitsheilige, Lucidarius, Notfeuer, Reliquien, Schutzengel, Schutzpatron, Tiere und Aberglauben, Votivgabe, Wallfahrten, Wetterheilige, Zunftpatron)

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