Universalienstreit

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Bezeichnung für die über das gesamte MA hinweg (vor allem in der Scholastik) geführte Diskussion um die Wirklichkeit (Realität, deshalb auch Realienstreit genannt) und Bedeutung oder Unwirklichkeit der Allgemeinbegriffe (Universalien) in ihrem Verhältnis zum konkreten Einzelnen, aus dem sie durch Abstraktion gewonnen werden. In der Hauptsache wurden bei dem – bis heute nicht zufriedenstellend gelungenen – Versuch, dieses Problem zu lösen, drei Positionen vertreten:
1. der Idealismus (radikaler Begriffsrealismus), der den Allgemeinbegriffen eine von der des Einzeldings verschiedene Realität (Idee) zusprach (Platoniker, Johannes Scotus Eriugena u.a.);
2. der [gemäßigte] Realismus, der den Allgemeinbegriffen eine objektive Gültigkeit zuerkannte, da durch sie das Wesen des Seienden erfaßt werde (Peter Abälard, Albertus Magnus, Thomas von Aquin);
3. der Nominalismus (Konzeptualismus), der in den Allgemeinbegriffen bloße Worte (“nomina”, “flatus vocis”) sah, durch die lediglich Ähnliches zusammengefaßt werde (Roscelin von Compiègne, Wilhelm von Ockham).
Die Entscheidung des Problems durch die letzteren beiden war eine jeweils zutiefst weltanschauliche Stellungnahme mit politisch-sozialen Folgen. Die nominalistische Formel, daß das Allgemeine bloß als name (Wort, Zeichen) nach dem Einzelnen steht (universalia sunt nomina Post rem), kam einer Unterhöhlung der ideellen Grundlagen der katholischen Kirche gleich (denn, wurde die Realität des Allgemeinen verneint, dann mußte konsequenterweise der Kirche die von ihr den einzelnen Mitgliedern gegenüber behauptete höhere Realität – die größere Nähe zu Gott – abgesprochen, die kirchliche Hierarchie als überflüssige Zutat abgelehnt und die Kirche als Institution überhaupt in Frage gestellt werden), während die realistische Formel, daß das Allgemeine als wahre Wirklichkeit vor dem Einzelnen existiert (universalia sunt realia ante rem), den Versuch ihrer uneingeschränkten philosophischen Rechtfertigung darstellt.

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