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Rußland. Ostslaw. Stämme, die im 6. Jh. aus der Gegend der Pripjetsümpfe westwärts ausgewandert waren und sich in den Weiten Osteuropas angesiedelt hatten, kamen im 9. Jh. in Kontakt mit bewaffneten normannischen Fernkaufleuten, den Warägern (= verschworene Männer), die entlang ihrer Handelsrouten von der Ostsee zum Schwarzen Meer Niederlassungen gründeten (Nowgorod, Kiew). Um diese als Handelsstützpunkte gegründeten Städte entstanden Fürstentümer, in deren nördlichem die schwed. Dynastie der Rus die Herrschaft übernahm und die slaw. Stämme ihres Bereichs tributpflichtig machte. 882 vereinigte Oleg der Weise Nowgorod mit dem südl. Kiew, das er darauf zur Hauptstadt seines russ. Großreiches machte. Dieses dehnte sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und im Osten bis zum Don aus und umfasste alle Stämme der Ostslawen. Ein Angriff der Rus auf Konstantinopel (Juni 860) konnte abgewehrt werden.
Die skandinav. Herrscherschicht vermischte sich in der ersten Hälfte des 10. Jh. mit dem slaw. Adel. Wladimir I. „der Heilige“ (978 – 1015) ließ sich taufen (988), machte das byzant. Christentum zur Staatsreligion und Kiew zum religiösen Mittelpunkt des Reiches. Nach seinem Tod entstanden aufgrund mangelnder Erbregelung jahrelange Thronstreitigkeiten, die erst durch die Krönung Jaroslaws d. Weisen (1019 – 54) beendet wurden. Unter Jaroslaw entstand die erste Kompilation des „Reußischen Rechts“, eine Verbindung von byzant. Gesetzen und slaw. Gewohnheitsrecht. Die Zeit nach Jaroslaw war gekennzeichnet durch Bruderzwist, Verfall der Zentralgewalt, Bildung kleiner Territorilagewalten und wirtschaftl. Niedergang. Dem Ansturm der Mongolen (von den Russen Tataren genannt) im 13. Jh. konnten die Heere der russ. Fürsten nicht standhalten; das russ. Reich wurde zerschlagen und kam größtenteils unter Fremdherrschaft von Mongolen (Khanat der Goldenen Horde), Polen (Ukraine) und Litauern (Weißrußland). Das unbedeutende, abgelegene Fürstentum Moskau, welches 1147 erstmals Erwähnung fand, wurde unter einem Nachkommen des legendären Großfürsten Alexander Newskij zur Keimzelle eines neuen russ. Reiches: Iwan I. Kalita (= Geldbeutel; 1304 – 41) machte Moskau zum Sitz des Metropoliten und erkaufte sich die Anerkennung als Großfürst (1328) durch die Tataren gegen hohe Tributzahlungen und machte die Fürstenwürde erblich. Er und seine Nachfolger traten als Vorkämpfer gegen die Fremdherrschaft und für den rechten Glauben auf. Iwan III. der Große (1462 – 1505) heiratete die Nichte des letzten byzant. Kaisers, Prinzessin Zoe (1472), übernahm die autokratische Staatsidee der Byzantiner und deren Symbole (Doppeladler, Hofzeremoniell) und ernannte sich selbst zum „Selbstherrscher [„Zar“] von ganz Rußland“ (1494). Die Moskauer Burg (Kreml) ließ er zur Residenz ausbauen.
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