Blindheit

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Blindheit (mhd. blindec-heit, blindekeit; lat. caecitas, v. caecus = blind). Hochgradiges und völliges beidseitiges Sehunvermögen verschiedener Ursache war im Mittelalter häufiger als heute. Es konnte angeboren, durch eine Verletzung oder durch strafweise Blendung verursacht, hirnorganisch, infektös (viral, bakteriell) oder parasitär (Toxoplasmose, Onchozerkose) bedingt sein. Nicht selten dürfte auch eine unsachgemäße Behandlung durch einen oculisten die Ursache gewesen sein. Nach mittelalterliche Glauben war B. eine gottgesandte Sündenstrafe oder Dämonen- bzw. Hexenwerk. Die Volksmedizin suchte Gründe u.a. in bösen Säften, übermäßiger Geschlechtsbegierde oder übermäßigem Fleischgenuss.

Wo Blinde nicht in der Familie oder in einem Spital versorgt wurden, bildeten sie einen Teil der Bettlergesellschaft.

In mittelalterliche Mirakelbüchern zählen Blindenheilungen zu den häufigsten Heilungswundern. Krankheitsheilige der Blinden waren St. Augustin, St. Lucia und St. Odilia.

Im Mittelalter kommt die Darstellung der Göttin Justitia als Jungfrau mit Waage und Augenbinde auf; damit soll symbolisiert werden, dass sie Recht spricht ohne Ansehen der Persönlichkeit.

Ein schon im Mittelalter beliebter Kinderzeitvertreib war das Blinde-Kuh-Spiel, bei dem einem Teilnehmer die Augen verbunden werden und er ohne Sicht einen Mitspieler ertasten muss.

Im AT (Mose 1.19) erscheint erstmals die RW “Mit Blindheit geschlagen werden”. Grch.-antike Wurzeln hat dagegen das Sprichwort “Wen Gott vernichten will, den schlägt er mit Blindheit” (wobei nicht der Verlust des Sehvermögens sondern die geistige Blindheit gemeint ist). Auf Plato geht zurück: “Liebe macht blind”. Der Volksmund weiß: “Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn”, “Unter Blinden ist der Einäugige König” und andere geflügelte Worte mehr.

(s. Augenärzte, Augenheilkunde, Behinderte, Blindenwettkampf, Trachom)

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