Brakteaten

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Brakteaten (Der Name erscheint erstmals 1368 in einer Mainzer Urkunde, geht zurück auf lat. bractea, brattea = dünnes Blech und wurde im 17. Jh. zu einem Fachausdruck der Numismatik; dt. Bezeichnungen holer phenninc, Dünnpfennig, Blechnünze, Schüsselpfennig, denarius concavus). Mittelalterliche Münzen aus dünnem, zum Rand hin hochgezogenen und einseitig geprägten Silberblech (selten aus Gold oder Kupfer), im Wert von 1/2, einem oder zwei Pfennig. Da das Münzmetall stark ausgezogen, die Oberfläche dadurch vergrößert war (bei Durchmessern bis zu 50 mm), war der bildnerischen Gestaltung mehr Raum geboten. Das Münzbild war auch auf der Rückseite (Revers) zu erkennen. Brakteaten wurden zwischen 1130/1140 und der Mitte des 14. Jh. geprägt. Im 13. Jh. ging die künstlerische Qualität zurück. – Theophilus Presbyter beschreibt in seinem Traktat “Schedula diversarum artium” (Kap. 74, “De opere quod sigillis imprimitur”) die Treibtechnik: Auf den gravierten Eisenstempel wird das zu prägende Silberblech gelegt, darüber eine dicke Bleiplatte, durch welche mit kräftigen Hammerschlägen das Silberblech in den Stempel getrieben wird. Später wurde die Bleiplatte durch eine mit Blei-, Leder oder Holz gefütterte Prägekappe ersetzt.

Brakteaten waren ausschließlich im dt. Osten (Meißen, Thüringen, Ostfalen) und in Südwestdeutschland verbreitet, die übrigen Reichsgebiete behielten die Denare bei.

Unter Halbbrakteaten (s. Dünnpfennigen) versteht man zweiseitig geprägte dünne Silbermünzen des 10. – 12. Jh., deren beiderseitige Prägung sich gegenseitig überlagerte. Diese unschöne Erscheinungsform dürfte der Grund dafür gewesen sein, dass man zu einseitig geprägten Münzen überging.

Die geringe Formbeständigkeit der Dünnpfennige hatte zur Folge, dass sie häufig eingezogen und gegen neue umgetauscht werden mussten. Dabei gab man gegen vier alte Münzen drei neue aus, verringerte obendrein deren Feingehalt und finanzierte aus dem Überschuss die Neuprägung (“Schlaggeld”). Durch diesen wiederholten Zwangsumtausch (renovatio monete) minderte sich der Geldwert, bis man 1413 den “Ewigen Pfennig” (denarius perpetuus) einführte, der wieder dicker und beidseitig geprägt war.

Brakteaten waren, weil sie aus dünnem Blech und somit druckempfindlich waren, nicht im Geldbeutel, sondern – aufeinandergestapelt – in einer Büchse verwahrt worden.

Geöste oder gelochte Brakteaten, vor allem solche aus Gold, wurden als Amulett oder Schmuckmedaillon getragen.

(s. Dünnpfennig, Geld, Münzen als Schmuck, Münztechnik, )

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