Chirurgische Fachschriften




Chirurgische Fachschriften. Vom 12. Jh. an erschien eine wachsende Zahl von Fachschriften zur Chirurgie. Etwa zwischen 1170 und 1180 entstand in Salerno die “Cyrurgia magistri Rogerii” des Roger Frugard aus Parma, die von Guido von Arezzo sprachlich überarbeitet worden war. Das vierbändige Werk war unterteilt nach den Körperteilen Kopf, Hals, Rumpf und Genitalien, Beine und Füße.

Die von Roland, einem Schüler Rogers, überarbeitete “Cyrurgia” erschien unter der Bezeichnung “Rolandina” als eigenständiges Werk.

Als Bamberger Codex entstand im späten 12. Jh. die Fassung einer weiteren Salernitaner Chirurgie als “Cirologia, in qua est flos medicinae”.

Um 1250 erschien die an Abulcasis orientierte “Chirurgia magna” des ital. Arztes Bruno von Longoburgo, der kurz darauf eine praxisbezogenen Kurzfassung, die “Chirurgia parva” folgte. Das Werk gliederte den Stoff nach dem Schema vom Kopf zu den Füßen.

Der ital. Bischof und Chirurg (!) Teodorico Borgognoni schrieb 1266/67 seine vierbändige “Cyrurgia sive filia principis”, in der er u.a. chirurgische Wundnähte beschrieb und die Eiterbildung als schädlich für eine komplikationsfreie Wundheilung bezeichnete. Ebenfalls aus dem 13. Jh. stammt stammt die “Cirurgia” des Guglielmo da Saliceto, in der Chirurgie als Werkzeug (instrumentum) der Medizin bezeichnet und damit in den Stand einer akademischen Disziplin versetzt wird. Das vierbändige Werk behandelt in Band I. Erkrankungen innerer Ursache, in Band II. Wunden, in Band III. Frakturen und enthält in Band IV. – erstmals in einem chirurgischen Fachbuch – einen kurzen Abriss zur Anatomie.

1296 beendete Lanfranchi (Lanfranco, Lanfranc), der bei Guglielmo in Bologna studiert hatte und seit 1295 in Paris lehrte und praktizierte, seine “Chirurgia magna”. In diesem Werk rückt die Anatomie an den Anfang und findet sich ein Kompendium der Arzneimittel (antidotarium), um seinen akademischen Anspruch zu betonen.

Auf Lanfranchi stützt sich die “Chirurgia” des Henri de Mondeville – möglicherweise war er dessen Schüler gewesen. Auch dieses Werk beginnt mit Anatomie und endet mit Pharmakologie.

Jan Yperman, Schüler Lanfranks, veröffentlicht in seiner Heimat Flandern um 1320 eine eigene Fassung der “Chirurgia magna” seines Lehrers.

Weitverbreitet war die “Chirurgia magna” (auch “Inventarium) des als Arzt und Chirurg ausgebildeten Guy de Chauliac, die 1363 in Montpellier herauskam.

Vom 15. Jh. an erschien auch in Deutschland eine wachsende Zahl anatomischer Werke, so die von Johannes Peyligk aus Leipzig, Magnus Hundt aus Magdeburg, Laurentius Phryesen aus Colmar und von Heinrich von Pfolspeundt (Pfalzpoint), einem Bruder des Deutschritterordens. Das Werk des letzteren erschien als erstes in deutscher Sprache und schildert eine rhinoplastische Operation, bei der Haut vom Arm verwendet wird. Außerdem ist es wohl das erste, das vom Umgang mit Verletzungen durch Schusswaffen handelt. Als Wiegendruck erschien 1497 in Straßburg das ” der Cirurgia” des dort als Wundarzt ansässigen Hieronymus Brunschwig. Das Werk beschreibt chirurgische Instrumente, Verletzungen und ihre Behandlung, Schädeltrepanation, Amputationen, Methoden der Blutstillung.




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