Feuer




Jetzt neu verfügbar, das umfassende Lexikon über das Mittelater, mit mehr als 3.900 Seiten und über 6.400 Einträgen. Download als eBook ist hier verfügbar.

Das Nachschlagewerk gibt einen umfangreichen Überblick über die Zeit des Mittelalters, erfahre hier mehr darüber!

Feuer (mhd. viur, brant; lat. ignis). Den Menschen des Mittelalter waren Nutzen und Gefährlichkeit des Feuers viel bewusster als uns Heutigen – schon von daher, als das Mittelalter das “Holzzeitalter” war (s. Holz). Stets konnte aus nichtigstem Anlass ein nützliches Feuer in ein Schadenfeuer umschlagen. Feuer gab Licht, Wärme und Geborgenheit und hielt wilde Tiere ab, es half bei der Rodung und im Bergbau, es war unentbehrlich bei der Bereitung von Brot, Bier und Speisen, bei der Konservierung von Lebensmitteln (Räuchern von Fleisch, Dören von Früchten), bei der Herstellung von Rohstoffen (Erschmelzen von Metallen und Glas, Sieden von Salz, Schmelzen von Fett, Talg, Wachs u.dgl.m.), beim Härten und Haltbarmachen von irdenen und hölzernen Gebrauchsgegenständen (z.B. Tontöpfen, Werkzeugen, Zaunpfählen), beim Brennen von Kalk und Ziegeln, bei handwerklichen Verrichtungen (z.B. in der Schmiede) und im alchemistischen Laboratorium. Es diente als Signalzeichen (Leuchttürme) und Zeitmesser (Feueruhr). Es hatte seine Bedeutung im kultischen und magischen Brauchtum (z.B. als Osterfeuer oder Notfeuer) sowie bei Gottesurteil, Folter und Hinrichtung (Scheiterhaufen). Es drohte als wildes Feuer (durch Blitzschlag oder aufgrund von Nachlässigkeit zustandegekommene Feuersbrunst) und als Mittel krimineller Tücke und kriegerischen Terrors. – Das Feuer im häuslichen Bereich, der “Herd”, war das Zentrum des ehelichen und familiären Zusammenlebens. Das Herdfeuer – Sinnbild des gesamten Hauswesens – sollte nie verlöschen; über Nacht wurde die Glut sicher unter einer Stürze verwahrt. Zum Feuermachen benutzte man bis ins 19. Jh. Flintstein, Feuerstahl und Feuerschwamm.

Der katholische Kult bediente sich des heiligen Feuers u.a. in Form brennender Kerzen (s. Osterkerze), des “Ewigen Lichts” (einer stets brennenden Öllampe) und bei der Kerzenweihe zu Lichtmess. Letztlich erwartete den armen Sünder, nachdem ihm das Lebenslicht ausgeblasen worden war, das reinigende Fegefeuer oder – im Falle der Verdammnis – die ewigen Qualen des Höllenfeuers.

Die Sagen und Märchen berichten von feuerspeienden Drachen, Irrlichtern und feurigen Geistern.

“Feurige” Himmelserscheinungen (Blitze, Sternschnuppen, Meteoriten, Kometen, Nordlichter) konnten Angst und Schrecken auslösen bzw. als Vorboten kommender Katastrophen gedeutet werden.

Als eines der vier Elemente der von der antiken Wissenschaft übernommenen Elementenlehre hatte Feuer in der Alchemie neben seiner Bedeutung als natürliches (“elementisches”) Feuer die des schöpferischen “philosophischen” oder “vulkanischen” Feuers. Es war bei fast allen alchemistischen Prozeduren vonnöten und ging im Laboratoriumsofen – dem Athanor – nie aus. Das Element Feuer hatte die Qualitäten warm, trocken, beweglich, fein, stumpf. Es wurde als 27-mal leichter als das Element Erde angenommen. Alchemisten unterschieden vier Feuergrade: Brutwärme (ca. 35-40°C), Mittagshitze der Sommersonne (ca. 50-70°C), Aschenhitze (ca. 100-200°C), Flammenfeuer (ca. 300-1000°C).

Nach Hildegard v. Bingen nimmt das Feuer am Firmament in der Reihe der Elemente die höchste Stelle ein; es hat fünf Kräfte: Hitze, Kälte, Feuchtigkeit, Luft und Bewegung. “Es brennt, aber die Kälte widersetzt sich ihm, damit seine Hitze das Maß nicht sprengt. Das Wasser liefert ihm Feuchtigkeit, so dass der Dampf aufsteigen kann. Durch die Luft aber wird es entfacht und durch die Bewegung angetrieben, so dass seine Flamme leuchtet.”

In der medizinischen Theorie erschien das Element als ein feuriger Hauch – das Pneuma -, das als Lebensodem den Organismus beseele und belebe. Das in der eingeatmeten Luft enthaltene Pneuma gelange über die Lunge zum Herzen, werde von diesem in alle Körperregionen gepumpt und bewirke dort die Organfunktionen, im Gehirn aber das Denken.

Gewisse Krankheiten wurden als “Feuer” bezeichnet, sofern sie mit brennendem Schmerz, Fieber oder Hautrötung verbunden waren; so stand z.B. “daz wilde viur” oder “Sant Antonjen viur” für die Brotseuche oder “ignis sacer” für die gleiche Krankheit sowie für Hautmilzbrand, mit welchem sie häufig gleichgestzt worden sein dürfte.

(s. Beleuchtung, Brandkatastrophen, Brandstiftung, Brandwirtschaft, Elemente, Fegfeuer, Feuer als Hilfsmittel der Alchemisten (s. Laboratorium), Feuerheilige, Feuermachen, Feuerordnung, Feuerpfeil (s. Falarika (Bell.), Feuerprobe (s. Gottesurteil), Feuersetzen, Feuertod (s. Scheiterhaufen), Feueruhr (s. Uhr), Frühlingsfeuer, griechisches Feuer, Heizung, Hölle, Holz, Irrlicht, Johannisfeuer, Küchenherd, Meteorologie, Notfeuer, Osterfeuer, Pyromantie (s. Mantik), Rechtssymbolik, Signalfeuer, Verbrennen)




Das Lexikon,  als digitales eBook, über das Mittelalter mit 3.979 Seiten und mehr als 6.400 Einträgen, gibt einen umfassenden Überblick über die Zeit des Mittelalters. Vom Ablass, über Blutpfennig und Kernburg, bis zu Zunftordnung und Zwölf Alte Meister. Ein eBook als Nachschlagewerk, das die Aspekte der europäischen Geschichte, Gesellschaft und Kultur von 500 bis 1500 n. Chr.  abdeckt.

Das eBook jetzt für nur 6,99 EUR, inkl. MWST kaufen, sicher über unseren Partner digistore24 herunterladen

Wir setzen Cookies (eigene und von Drittanbietern) ein, um Ihnen die Nutzung unserer Webseite zu erleichtern und Ihnen Werbemitteilungen im Einklang mit Ihren Browser-Einstellungen anzuzeigen. Mit der weiteren Nutzung unserer Webseite sind Sie mit dem Einsatz der Cookies einverstanden. Weitere Informationen zu Cookies entnehmen Sie bitte unserer Datenschutzerklärung und Cookie-Richtlinie.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen