Feuermachen




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Feuermachen (mhd. enzünden, enphlammen, zünden, anezünden, viurniuwen; lat. incendere, inflammare, ignem facere). Das bis ins 19. Jh. hinein allgemein benutzte mittelalterliche Feuerzeug (Pinkfeuerzeug; mhd. viurgeziuc, viurgezouwe) bestand aus Zunder und Werkzeug zum Funkenschlagen. Den Zunder, der in einer Zunderbüchse vor Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt wurde, machte man aus Feuerschwamm (glosenzunder; einem Holzpilz), zerfaserten Stoffresten oder Holzmehl, die man durch Erhitzen stark ausgetrocknet hatte; auch aus der feinen Unterrinde von Birken, aus trockenem Moos oder dürren Flechten. Er wurde durch heiße Funken entzündet, die mittels eines Feuersteins (viurstein; Flint) von einem Markasit- oder Pyritstein (beide s. Pyrit) oder von einem Feuerstahl (stahelviurisen) geschlagen wurden. Der Feuerstahl bestand ursprünglich aus einem gebogenen Stück Bandeisen oder -stahl mit rauher Kante und wurde später ideenreich ausgeformt und mit einem Griff versehen. Stahl mit einem Kohlenstoffgehalt von 1 bis 1,5 % eignete sich am besten, da er weder zu spröde noch zu weich war. Üblicherweise dürfte der Markasitstein zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand gehalten worden sein, die anderen Finger klemmten den Zunder darunter. Mit der rechten Hand schlug man den Flint gegen den Markasit bzw. mit dem Stahl gegen den Flint. Der auf den Zunder auftreffende Funke wurde vorsichtig zur Glut angehaucht. Das Glutnest drückte man in leicht entflammbares Material, etwa röllchebförmig eingedrehte Birkenrinde, Rohrkolbensamen, trockene Gräser oder dürre Zweige. Zum Anfachen des Feuers benutzte man ein Blasrohr (“Fürpüster”) aus einem ausgehöhltem Holunderzweig.

Daneben kannte man den Feuerbohrer (“Drillfeuerzeug”), bestehend aus einem locker bespannten Bogen, einem nicht zu hartem “Feuerbrett” (aus Esche, Weißbuche, Eibe, Buchsbaum) als Herd, einer hölzernen Spindel aus weichem Holz (Weide, Linde, Tanne, Birke, Kiefer) und einem Handstück aus Hartholz. Die Spindel wurde mittels des Handstücks gegen das Feuerbrett gedrückt und mit der einmal darumgeschlungenen Bogensehne in Drehung versetzt. Das dabei abgeriebene Holzmehl geriet durch die Reibungshitze (bis zu 232° C) ins Glimmen und entzündete endlich ein untergelegtes Zunderbüschel.

Eher zum Entzünden genossenschaftlicher zeremonieller Feuer als zum privaten Feuermachen verwendete man das “Radfeuerzeug” und das “Wellenfeuerzeug”. Ersteres war wohl aus Beobachtungen beim Heißlaufen von Wagenrädern abgeleitet worden. Bei ihm diente die Nabe eines waagrecht auf dem Boden verankerten Rades als Herd, ein senkrecht daraufgestellter Balken wurde als Quirl mit einem darumgeschlungenen Strick in Drehung versetzt. Beim Wellenfeuerzeug war eine hölzerne Welle waagrecht zwischen zwei in die Erde gerammten Holzpfosten eingesetzt, sodass sich an beiden Enden Reibungsflächen ergaben. Die Welle wurde auch hier durch ein darumgeschlungenes Seil umgetrieben.

Wenn zeitgenössische Quellen von “igne fricato de ligno” handeln, hat man darunter das – wohl zeremonielle – Feuermachen durch Aneinanderreiben zweier trockener Hölzer zu verstehen. Das Reibeholz (aus Eiche oder Buche) wird parallel zur Faserrichtung in einer Rinne des Herdes (aus Pappel oder Fichte) geführt (“Rinnenfeuerzeug”). Da der Herd um etwa 45° geneigt ist, sammelt sich das unter starkem Druck erriebene Holzmehl am unteren Ende, wo es sich endlich entzündet.

Beim Feuerschnüren oder -sägen wurde ein Flachsseil durch ein Loch in einem trockenen Pfahl geführt und so lange kräftig hin und her gezogen, bis es zu brennen anfing (“Bandfeuerzeug”).

Den Feuerstahl verwendete man – schon, weil er stets zur Hand war – häufig zu abergläubischen Praktiken. Die mit dem Stahl geschlagenen Funken vertreiben Dämonen sowie angehexte Krankheiten bei Mensch und Tier.




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