Fieber




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Fieber (mhd. fieber, vieber, fiebersiech, -suht; mhd. riidel, ridden, riddo = Fieberschauer, Wechselfieber; lat. febris). Wie andere Krankheitssymptome sah man im Mittelalter Fieber als eine eigenständige Krankheit an. Je nachdem ob Fieber mit Hitzeempfindung oder mit Schüttelfrost auftrat, nannte man es “daz hitzec” oder “daz kalte fieber”; darüberhinaus unterschied man je nach den begleitenden (bzw. kardinalen) Krankheitserscheinungen und nach dem zeitlichen Verlauf eine Vielzahl spezieller Fieber (z.B. febris cotidiana, f. tertiana, f. quartana). Die Ursache der Fieber sah Hildegard von Bingen in der der Wechselwirkung zwischen der Qualität der Luft (abweichende Kälte, Hitze und/oder Feuchte und Geruch), in der körperlichen und seelischen Disposition des Patienten und in seinen Verhaltensweisen. Fieber entstünden manchmal “aus Übermaß im Essen und Trinken wie auch von zu langem Schlafen oder auch aus Langeweile und Faulheit …”. Aus “causae et curae”: “So geraten also die schädlichen Säfte, die im Menschen sind, in Bewegung, und die Fieber nehmen zu … Dann nimmt aber auch das Blut im Menschen ab, und die Eigeweide und andere innere Teile trocknen aus. Die Wärme, die in der Leber … vorhanden sein müsste, steigt zur äußeren Haut herauf, und die innere Kälte bleibt inwendig im Menschen beharren.” Bei günstigem Verlauf würden die schädlichen Säfte durch den Schweiß aus dem Körper ausgetrieben. Als Gegenmittel empfiehlt sie reichliche Flüssigkeitsaufnahme und verschiedene Kräuterarzneien (u.a. aus Majoran, Kampfer, Tormentillwurzel, Schafgarbe, Huflattich). – Zum Einfluss der Ernährung auf fiebrige Erkrankungen haben schon Hippokrates und Petrus Musandinus Lehrschriften verfasst.

Avicenna sieht die Ursache der Fieber in der Fäulnis der Körpersäfte colera, phlegma und melancolica. Dementsprechend unterscheidet Matthaeus Platearius zwischen febris cottidiana (ex flegmate), f. tertiana (ex colera) und f. quartana (ex melancolica). Je nachdem, ob sich ein Fieber im Steigen, auf seinem Höhepunkt oder Fallen befindet, sind kühlende, gleichermaßen kühlend und wärmende oder wärmende Arzneimittel angezeigt.

Entsprechend der Annahme, dass Fieber durch schlechte Körpersäfte zustande kämen, zielte die Behandlung auf deren Ausscheidung; es wurden also Purgantia per inferiora und per superiora (Laxantia bzw. Vomitiva) verordnet.

Zur Beurteilung der Art und des Verlaufs einer fieberhaften Erkrankungen bedienten sich die Ärzte der Harnschau und der Beurteilung der Pulsqualität.

Darum, dass erhöhte Körpertemperatur auch heilsame Wirkung haben könne, hatten schon antike Ärzte gewusst, so Parmenides (um 500 v.u.Z.), Hippokrates (um 460-377 v.u.Z.), Asklepiades (um 100 v.u.Z.), Celsus (1. Jh. u.Z.), Rufus von Ephesos (1./2. Jh. u.Z.) und Galenus (131-201 u.Z.). Parmenides hat geschrieben: “Hätte ich nur ein Mittel, um Fieber künstlich zu erzeugen, ich wollte alle Krankheiten heilen.” (Zit. H. Haas.) Wirkung eines Heilfiebers versprach man sich besonders bei Leiden wie Fallsucht, Hirnschlag, krämpfen, Wundstarrkrampf, Melancholia, Asthma und Aussatz. Nach einem aus Montpellier stammenden Arzneibuch (12. Jh.) soll man Heilfieber erzeugen, indem man eine Salbe aus Sperlingsfett auf den Puls beider Unterarme aufträgt. Auch im “Parzival” des Wolfram v. Eschenbach (~1170 – ~1220) bekommt ein Patient Salbe aufgetragen, um Schüttelfrost und damit eine Erhöhung der Körpertemperatur auszulösen. – (Heute weiß man, dass Fieber von 37,9 – 39,2° C. durch Unterstüptzung der Immunabwehr und durch Abtötung von Viren eine heilende Wirkung haben kann.)

Die Volksmedizin kannte verschiedene magische und empirisch-medizinische Verfahren, um Fieber auszutreiebn: zu Ersteren gehörten das Übertragen (Verkeilen, Verpflöcken, Anwünschen an fließendes wasser, Bäume, Tiere, Menschen usf.), Sakramentenzauber und das Anrufen von Fieberpatronen (vor allem der Siebenschläfer und St. Petri); zu Letzteren zählten Anwendungen von Kälte oder Wärme und pflanzliche Mittel (z.B. Holunder-, Kamillen-, Hagebutten und Lindenblütentee).




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