Katharismus




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Katharismus. Kernideale des Katharismus waren die christliche Armut und das apostolische Leben als Wanderprediger. Die Anhänger des katharischen Glaubens unterschieden zwischen der Masse der Gläubigen (den “credentes”), den Förderern (“defensores”) und den Vollkommenen (“perfecti”; auch electi, christiani, consolati oder vestiti). Die credentes und defensores lebten ein Leben wie andere Christen auch, sollten jedoch allem weltl. Reichtum entsagen. Die Vollkommenen jedoch, Männer wie Frauen, lebten als Wanderprediger völlig gemäß ihrer asketischen Lehre. Sie lehnten körperliche Liebe und Ehe radikal ab, verzichteten auf jeden irdischen Besitz, aßen fleischlos und hielten strenge Fasten- und Gebetszeiten ein. Durch ihr vorbildliches Leben, das so augenfällig im Gegensatz zu dem der kath. Geistlichkeit stand, fanden sie überzeugte Anhänger im Volk und beim Adel.

Der katharische Glauben, der seine Wurzeln auf dem Balkan und in Byzanz hatte, war wohl durch Kaufleute und Kreuzfahrer nach Mitteleuropa gebracht worden. Er vereinte dualistische und christliche Glaubenssätze: die Welt ist des Teufels Werk, des Teufels Werk ist auch die Verbannung reiner Seelen in irdische Körper; durch Erleuchtung im katharischen Glauben erwacht in der Menschenseele die Erinnerung an die himmlische Herkunft, sie trachtet nach der Befreiung von der Welt und nach der Rückkehr ins himmlische Jenseits; die in den irdischen Leib verbannte Engelsseele kann jedoch erst heimkehren, wenn der Mensch durch Weltentsagung und Sittlichkeit zum katharischen “Vollendeten” geworden ist; bis dahin hat sie eine Folge von Leben in unterschiedlicher, auch tierlicher Gestalt zu durchlaufen. Christus war – katharischem Glauben zufolge – nicht Gottes Sohn, sondern ein Engel, der als Erwecker und Lehrer ausschließlich zur Erlösung der Engelsseelen, also der Katharer, auf die Erde gesandt worden war. Zum Alten Testament und den Offenbarungen der Propheten bestanden zwiespältige Auffassungen, überwiegend wurden sie als Vermächtnis des Bösen verachtet. Das Neue Testament und die neutestamentlichen Apokryphen wurden dagegen voll in die Glaubenslehre integriert.

Die katharische Kirche sah sich als Gemeinschaft der gefallenen Engel, als die einzig wahre Kirche Gottes, und bekämpfte die kath. Kirche als ihr teuflisches Gegenstück, als die “große Hure der Apokalypse”.

Zum katharischen Kult gehörten: strenge Gebetspraxis der Vollkommenen, denen allein das Beten des Vaterunsers vorbehalten blieb; je sieben tägliche und nächtliche Gebetszeiten; Weihezeremonie für die Vollkommenen (“consolamentum” [lat., = Tröstung], Taufe, Firmung und Priesterweihe in einem Sakrament); den credentes konnte das consolamentum – für sie mit der Vergebung der Sünden verbunden – allenfalls am Ende des Lebens gespendet werden; Fasten (“endura”), und sei es bis zum Hungertod; monatlicher, später auch wöchentlicher Gottesdienst (“servitium”) mit einer Art Buße (“apparellamentum”); Brotbrechung und Predigt eines Vollkommenen. Katholische Kultformen wie Kreuzes-, Reliquien-, Heiligenverehrung, Totenfürbitte und Kirchengesänge wurden abgelehnt.

Seit dem 12. Jh. organisierte sich die Kirche der Katharer in Bistümern. Die Bischöfe hatten jedoch nur administrative Befugnisse, Lehre und Sakramentenspendung waren allein den Vollendeten vorbehalten. Jedem Bischof standen zwei Stellvertreter (filius maior und filius minor) zur Seite.

Die äußere Erscheinung der Vollkommenen war durch askesebedingte Hagerkeit, wallenden Bart, dunklen Überrock mit Kapuze oder Filzhut und Wanderstock gekennzeichnet.




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