Krebse




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Krebse, Krebs-, Krusten-, Schalentiere (mhd. krebeze, krebze; lat. cancer; wiss. Crustacea). Artenreicher und extrem formenreicher Stamm der Gliederfüßler (Arthropoden), gekennzeichnet durch einen krustenbewehrten, segmentierten Körper, fünf Beinpaare (von denen des vorderste zu Scheren umgebildet ist), zwei Fühlerpaare (Antennen), spezialisierte Mundwerkzeuge (Scheren), rückwärts bzw. seitwärts gerichtete Fortbewegung und aquatische Lebensweise (Salz- und Süßwasser). Weil Krebse kein dem Gehirn entsprechendes Zentralnervensystem, sondern stattdessen ein über die Länge der Bauchseite reichendes Strickleiternervensystem haben (Bauchmark), werden sie am schnellsten getötet, indem man sie in kochendes Wasser wirft.

Als Nahrungsmittel werden im mittelalterliche Abendland benutzt: Garneelen (shrimps), Hummer, Langusten, Krabben und Bach- bzw. Flusskrebse. In mittelalterliche Schriftzeugnissen werden die Arten nicht eindeutig benannt. Archäologisch ist der Verzehr von Schalentieren im Mittelalter nicht nachgewiesen, schriftliche Aufzeichnungen existieren – außer in Kochbüchern – nicht, da sie nicht zu den obligatorischen Abgaben gehörten, doch dürtten sie als Leckerbissen gegolten haben und vor allem auf herrschaftliche Tafeln gelangt sein. (Eine mittelalterliche Miniatur zeigt eine Kundin im Fischladen, auf dessen Theke auch Krebse ausliegen; die Dame ist von einem Diener begleitet, also höheren Standes.) Flusskrebsen wurde mit Ködern, Reusen (Krebskörben), Keschern oder Angeln nachgestellt. Bis zum Töten in kochendem Wasser wurden sie in Wasserbottichen gehältert. Ein Tacuinum sanitatis aus dem 15. Jh. rät, “solche Krebse vorzuziehen, die sich nahe den Ufern aufhalten, an denen gute Pflanzen wachsen, und dort, wo fließendes Wasser und steiniger Boden sind. Nutzen: sie rufen Schlaf hervor und sind gut für Hektiker und Schwindsüchtige, besonders wenn sie in Milch gekocht sind; wenn man aus ihnen und ihren Schalen Asche macht und sie isst, …, so ist das gut gegen den Biss eines tollwütigen Hundes.” (Zit. B. Laurioux). Die Volksmedizin kannte viele Heilanwendungen, bei denen ein lebendiger Krebs, Krebssalbe, Saft von zerstoßenen Krebsen, Brühe von gesottenen Krebsen oder Krebsasche zur Anwendung kamen. Konrad v. Megenberg empfiehlt eiertragende Krebse als Gegengift gegen Schlangenbisse.

Wohl wegen ihres fremdartigen Aussehens wirkten sie abscheuerregend, galten Nachbildungen von Krebsen bzw. deren Scheren als Abwehrmittel gegen Dämonen und den Bösen Blick. Gemäß dem Analogieglauben wurde das Rückwärtsgehen der Krebse mit dem Zurückgang des Glücks in Verbindung gebracht, seine Füße erinnerten schon Ärzte der Antike an das Geäder um ein Krebsgeschwür.




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