Krieg




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Krieg (mhd. kric, kriec, krieg = Anstrengung, Streit, Wettkampf; ahd. chreg = Hartnäckigkeit; der Wortsinn nach heutigem Verständnis kam erst im 14. Jh. auf; daneben wurden weiter gebraucht: strit, ve[he]de = Kampf, Streit; urliege, urlouge = Krieg, Kampf, Streit, Fehde; werre = Not, Leid, Aufruhr [vgl. war, guerra], ; lat. bellum). Mit Waffengewalt ausgetragene Auseinandersetzungen, bei welchen sich Gefolgsherren samt der jeweligen Gefolgschaft gegenüberstanden und danach trachteten, möglichst Viele der gegnerischen Mannschaft kampfunfähig zu machen oder zu töten. Als Fehde wurde ein räumlich begrenzter Privatkrieg zwischen Einzelpersonen oder Sippen bezeichnet. Unter Heerfahrt verstand man Kriegszüge von Königen, Herzögen oder Grafen zur Durchsetzung politischer Ziele oder zur Abwendung äußerer Gefahr (z.B. Wikinger, Ungarn). Neben den erklärten Kriegszielen war ein selbstverständlicher Zweck die weiträumige Schädigung des Gegners an ökonomischen Gütern und Bevölkerung (“Verheeren”).

Auf päpstl. Initiative gingen die Kreuzfahrten zurück, Kriegszüge, die im Namen Gottes gegen Heiden, Muslime und Ketzer unternommen wurden (s. Kreuzzüge, Preußenreise). Seekriege richteten sich in den nördl. Meeren gegen Handelskonkurrenten der Hanse (z.B. bei der Belagerung Stockholms, 1389), gegen Piraten und Vitalienbrüder. Bürgerkriegsähnliche Unruhen entstanden in Deutschland z.B. 1078 und 1119 zwischen den Anhängern des Kaisers und denen des Papstes, oder bei den Aufständen von Bauern (gegen Ansprüche der Territorialherrschaft, z.B. Stedinger Bauernschaft, ca. 1200-1234) und von Handwerksgesellen (zur Erzwingung von Lohnerhöhungen, 14. Jh.). Im Hochmittelalter und Spätmittelalter führten auch die erstarkten Städte Krieg oder beteiligten sich an Kriegen des Königs und der Territorialherren.

(s. Belagerung, Beuterecht, expeditio, Gefolgschaft, Hansekriege, Heerbann, Heerfahrt, Hussitenkriege (s. Hussiten), Kriegsgefangene, Kriegsmaschinen, Sappenbau, Schlachten, Verteidigung, Waffen, Wagenburg)

Nach frühchristl. Verständnis galten Waffengebrauch und Glauben als völlig unvereinbar. Erst Augustinus begründete die Lehre von Recht- oder Unrechtmäßigkeit eines Krieges. Als “gerecht” (bellum iustum) galten ihm Kriege zur Erlangung des Friedens oder zur Verteidigung eines angegriffenen Volkes, als “ungerecht” Kriege aus Machtgier, Habgier, Rachsucht oder Ehrgeiz. Abwehrkämpfe wie die gegen die heidnischen Wikinger, Wenden oder Ungarn im 9./10. Jh. waren von der Forderung nach Gewaltlosigkeit somit nicht betroffen. Erst vom 11. Jh. an setzte sich – unter Berufung auf Augustinus und möglicherweise unter der islam. Idee vom Dschihad – die Ansicht durch, dass der offensive Glaubenskampf “gerecht” und gottgefällig sei. Kreuzzüge gegen Muslime, Slawen und Ketzer wurden mit dem Segen und unter den Heilsversprechungen der Kirche unternommen (“heilige Kriege”). Gegenüber Kriegen und Fehden weltlicher Großer, sofern sie nicht gegen wesentliche kirchliche Interessen gerichtet waren, verhielt sich die Kirche eher neutral. Juristen wurden bemüht, um einen Feldzug zur “gerechten” Sache zu machen – nicht zuletzt mit dem Zweck, den Bischöfen die Truppenrekrutierung durch Ablassversprechen zu erleichtern.

Nachdem in der ottonischen Zeit Bischöfe zu Reichsfürsten aufgestiegen waren, hatten sie ebenso wie die Äbte der Reichsklöster dem königl. Heerbann zu folgen und Truppen zu stellen. Aus dem Heeresaufgebot zum Römerzug Ottos II. (981), Abteilung Panzerreiter: “Der Bischof Herkenbald (von Straßburg) schickt 100 Ritter. Der Abt von Murbach führt 20 mit sich. Der Bischof Balzo (von Speyer) schickt 20. Der Bischof Ildebald (von Worms) führt 40. Der Abt von Weißenburg schickt 50. Der Abt von Lorsch führt 50. Der Erzbischof von Mainz schickt 100. usf.”

In jedem Fall wurden Kriege auf dem Rücken des gemeinen Volks, der “armen liute” ausgetragen. Sie mussten Heerfolge leisten – und wenn auch nur als Ross- und Wagenknechte -, Natural- oder Geldabgaben (Kriegssteuern) erbringen, waren schutzlos der Raub-, Brand- und Mordgier der bewaffneten Haufen ausgeliefert und hatten unter sekundären Kriegsschäden wie Teuerung, Humgersnöte und Seuchen zu leiden.




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