Mahlmühlen

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Mahlmühlen (mhd. mül, müle, mlat. molina, lat mola). Schon in vorgeschichtlicher Zeit wurden Mahlsteine für das Zermahlen von Getreidekörnern zu Mehl benutzt. Dabei wurde zunächst der obere Mahlstein (Läufer) kraftaufwendig hin und her bewegt. Ein wesentlicher Entwicklungsschritt führte zur gleichmäßigen Drehbewegung des Läufers, der mit einem aus der Achse gerückten Griff von Hand (mhd. wendemül), oder – bei größeren Mühlen – über Speichen von Menschen- (Ziehmühle) oder Tierkraft (Göpelmühle) angetrieben wurde. Bereits in der Antike war die Wasserkraft zum Mühlenantrieb genutzt worden (s. Wasserrad), und zwar getriebelos bei horizontaler Lage des Rades (und vertikaler Welle; “Stockmühle”) oder mit Umlenkgetriebe bei vertikaler Stellung des Rades (und horizontaler Welle).

Die Arbeit einer Mahlmühle lässt sich in drei Arbeitsgänge gliedern: Reinigen, Mahlen und Sichten. Während das Reinigen mit Handsieben erledigt wurde, geschah das Mahlen – und später auch Sichten – mit Wasserkraft. Gemahlen wurde erst im Schrotgang, danach im Mehlgang. (Mit Gang bezeichnet man die Einheit aus Bodenstein, Läufer, Zarge und Gosse [Fülltrichter]). Mit dem Mehlgang war vom Spätmittelalter an das Sichtwerk verbunden, in welchem vom Mühlengetriebe bewegte Siebe Mehl, Grieß und Kleie trennten. Die Sichtung des Mahlgutes geschah vom Ausgang des Mittelalter an durch Wollbeutel, die vom Getriebe her mittels einer besonderen Übersetzung kräftig geschüttelt wurden (Zwickau, belegt für 1502). Das sprichwörtliche Klappern der Mühle geht auf das rhytmische Geräusch des Sichtwerks zurück.

Nach Dirk Meier “lassen sich in Frankreich, England und Italien im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts auf 1.000 Haushalte etwa 25 Wassermühlen nachweisen; zu einer Mühle gehörten demnach 40 Haushalte. Diese Zahlen sprechen nicht nur für eine weite Verbreitung von Wassermühlen, sondern deuten auch auf deren geringe Kapazität hin.” Die Verhältnisse dürften im deutschsprachigen Raum ähnlich gewesen sein.

Ein oberschlächtiges Wasserrad von 4 m Durchmesser leistete etwa 1 PS. Die Tagesleistung einer Mühle mit einem derartigen Rad betrug etwa 6 Ztr. Getreide. Mühlen mit größerem Raddurchmesser oder mehreren Rädern leisteten entsprechend mehr.

Im Mittelalter waren neben Hand-, Wind- und Wassermühlen auch Mühlen mit Antrieb durch Göpel (s. Tiermühlen) und Tretrad in Gebrauch.

Da der Mühlenbetrieb von ausreichender Wasser- bzw. Windkraft abhängig war, mussten günstige Verhältnisse konsequent genutzt werden; es wurde auch zur Nacht und an Sonn- und Feiertagen gemahlen, wobei sich der Müller und seine Gesellen wechselseitig ablösten.

Nicht selten wurden Mühlen durch Mehlstaubexplosion zerstört: sobald mehr als 20 gr Mehlstaub je Kubikmeter Raumluft verteilt waren, genügte die Reibungshitze des Mahlwerks, um das Gemisch zu zünden. Derartige – ebenso schreckerregende wie unerklärliche – Unfälle haben sicher zum unheimlichen Ruf der Mühlen beigetragen.

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