Naturerleben




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Naturerleben. Der Mensch des Frühmittelalter muss die Ur- und Naturlandschaft überwiegend als feindlich und unheimlich empfunden haben: er sah sich von unwegsamen, finsteren Urwäldern, von Mooren und versumpften Flussniederungen oder von starrenden Felswänden umgeben, war den Launen der Witterung ausgesetzt und fühlte sich allenthalben von wilden Tieren, Naturgeistern und -dämonen bedroht. Diese Grundstimmung hat sich in vielen Märchen erhalten, am deutlichsten im Motiv des dunklen Waldes, in dessen Tiefe man sich verirrt, in dessen Höhlen und Klüften übelwollende Hexen, Riesen oder Zwerge hausen. Trotz großflächiger Entwaldung gab es noch zu Ende des 11. Jh. in Mitteldeutschland ausgedehnte, weglose Urwälder, hatte der Wald seinen bedrohlichen Charakter nicht verloren. Freude an der Natur einer gezähmten, kultivierten Landschaft scheint im Minnesang auf, dem höfischen Idealbild einer paradiesischen, sommerlichen Natur entsprechend. Allerdings ist Naturschilderung nie Selbstzweck, dient stets als Hintergrund und Rahmen, als Wegweiser zum Transzendentalen. Zu den Requisiten des Minnesangs gehören Stereotypien wie etwa jene, in welcher den Härten des Winters die Frühlingswonnen mit Vogelgezwitscher und Blumenpracht kontrastierend gegenübergestellt werden. In der Malerei spielt die natürliche Umwelt zunächst keine Rolle. Später wird sie eher beiläufig im Hintergrund zitiert, selbst wo sie wahrheitsgetreu und detailgenau abgebildet ist, wird sie als Staffage, nicht ihrer selbst willen dargestellt. Das spätmittelalterliche Naturempfinden fühlt sich am ehesten von der umhegten Idylle der Paradiesgärtlein angesprochen, vom hortus conclusus, einem formelhaft stilisierten Lustgarten, oder von Ideallandschaften, wie sie für das Stundenbuch des Duc de Berry entworfen wurden. Im 15. Jh. kam in den beengten, abgeschlossenen Städten das Bedürfnis auf, sich Natur hereinzuholen; so wurde beispielsweise in Nürnberg 1468 mit einer innerstädtischen Begrünung begonnen, für die an neun verschiedenen Stellen insgesamt 132 Lindenbäumchen gesetzt wurden, später kamen 22 Vogelbeerbäume dazu.

Womöglich noch bedrohlicher als auf dem Land wurde die Natur auf den Meeren empfunden. Brüllende Stürme und gespenstisch lautlose Kalmen, haushohe Wogen und fliegende Gischt, die Brandung an felsigen Küsten und unwiderstehlich reißende Strömungen, und nicht zuletzt die Schrecknisse aus der Meerestiefe – Zwitterwesen, halb Fisch, halb Mensch sowie Ungeheuer und Fabeltiere vielerlei Art – machten das Meer zu einem Ort des Schreckens, dem man nur mit der Hilfe Gottes und der Heiligen entkam.

Als Beispiel für die Schilderung einer Naturidylle als Allegorie auf die Liebeshoffnung sei eine Strophe (um 1200) des Sängers Albrecht von Johansdorf zitiert:

Wize, rote rosen, blawe bluomen, grüene gras,

brune, gel und aber rot, dar zuo des klewes blat,

von dirre varwe wunder under einer linden was,

dar ufe sungen vogele, daz was ein schoenin stat.

Kurz und lanc gewahsen, bi einander stuont ez schone,

noch gedinge ich, der ich vil gedienet han, daz si mir lone.

(s. Garten, Wildnis, Zwischenwesen)




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