Odorich von Portenau

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Odorich von Portenau (Odorico de Portu Naonis, Odorico da Pordenone; geb. zwischen 1265 und 1286 in Villanova bei Pordenone, gest. am 14. Januar in Udine). Sein Geburtsort war lange Zeit im Besitz der Babenberger, bevor er während des Interregnums (1254-1273) an Ottokar II. Premysl (König von Böhmen, Herzog von Österreich) und 1508 an Venedig fiel. Odorich trat 1280 dem Franziskanerorden in Udine bei und begab sich1296 zusammen mit Ordensbrüdern auf seine erste Missionsreise, die ihn in das mongolische Khanat von Kipchak in Südrussland führte. Für kurze Zeit nach Italien zurückgekehrt, brach er 1314 von Venedig aus zu einer zwölfjährigen Asienreise auf, die ihn nach missionarischer Tätigkeit im Nahen Osten ab 1322 über die Türkei, Indien, Ceylon, Sumatra, Java, Borneo und Indochina 1325 nach Khanbaliq (Peking) führte. Hier bestand unter dem Erzbischof Johannes von Montecorvino eine Franziskanermission, an welcher sich Odorich drei Jahre lang betätigte. Danach kehrte er auf dem Landweg über Tibet, Zentralasien, Persien und Palästina nach Europa zurück, um Missionare für China anzuwerben. Während des Winters 1330/31 diktierte er seinem Mitbruder Wilhelm von Solagno seinen Reisebericht “Itinerarium Fratris Odorici de Foro Julii, Ordinis Fratrum Minorum, de mirabilibus Orientalium Tartarum” (“wunderliche Geschichten aus dem Reich der Tataren die ich mit eigenen Augen gesehen in den Landen da ich inn gewesen”). Auf dem Weg nach Avignon, wo er den Papst um die Erlaubnis für weitere China-Missionen bitten wollte, ist Odorich in Januar 1331 in Udine gestorben.

Der Bericht des Odorich kann trotz einiger Ungereimtheiten im wesentlichen als zuverlässig gelten. Er enthält viele Tatsachen zur Missionsgeschichte des Fernen Ostens und unterwegs gesammelte Beobachtungen, Anekdoten und Mirabilien. So beschreibt er das Hofzeremoniell des mongolischen Großkhans in Khanbaliq, Buddhistische Reinkarnationslehren, Witwenverbrennungen und den Kult um heilige Kühe in Indien, Kormoranfischerei in Südchina und vieles andere mehr. Unverständlich, warum er die Bewohner Chinas als Weiße, benachbarte Barbarenstämme aber als schwarzhäutig schildert.

Der Reisebericht Oderichs gilt als das berühmteste Zeugnis seiner Gattung und liegt in mehr als 100 Handschriften vor. An Popularität jedoch wurde er weit übertroffen von dem romanhaften Reisebericht des Sir John de Mandeville, der ihn großzügig plagiierte.

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