Tierseele

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Tierseele. Altem Volksglauben nach wohnte jedem Tier eine Seele inne, weswegen das Tier in die Nähe des Menschen gerückt war. So konnten Tiere etwa vor Gericht gestellt (s. Strafen gegen Tiere) oder gebannt werden (s. Beschwörungsformel); Haustiere bekamen eine Persönlichkeit, indem sie individuell beim Namen gerufen wurden; sie wurden je nach Leistung gelobt und belohnt oder getadelt und bestraft; man nahm an, dass Tiere eine eigene Sprache kannten oder die menschliche Sprache verstehen und sprechen konnten; aus einem Tier konnte aber auch ein innewohnender Dämon sprechen; am christlichen Jahreskreis ließ man Tiere teilhaben, indem man sie an bestimmten Heiligentagen segnete und sie an hohen Feiertagen (Karfreitag, Ostern) von der Arbeit ruhen ließ.

Die Annahme tierlicher Beseelung hinderte den mittelalterliche Menschen nicht daran, Tieren auch rücksichtslos, ausbeuterisch und grausam zu begegnen.

Es bestand auch der Glaube an das Einwohnen der menschlichen Seele in Tierkörpern: so konnte die Seele eines Schlafenden dessen Körper durch den Mund in Gestalt eines Wiesels, eines Vogels, einer Maus oder einer Schlange verlassen und auf dem gleichen Wege wieder zurückkehren; auch die Seelen Sterbender verließen den Körper in Tiergestalt (“Seelentier”); das Seelentier wohnte in der Gebärmutter, häufig in Gestalt einer Kröte oder einer Schlange.

Ein Wolf, in dessen Gestalt sich ein Mensch verwandelt hatte, war von daher beseelt (s. Werwolf).

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