Tiersteine

Cinque Terre Forest
Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Tiersteine. In ® Lapidarien der Antike und des Mittelalter werden nicht nur real existierende Steine aufgeführt, sondern auch Festkörper, die sich in Tiermägen finden (s. Bezoar) und solche, die in irgendeinem Zusammenhang mit bestimmten Tieren gesehen werden. Die Tiersteine waren z.T. fiktiver Natur, nur in wenigen Fällen konnte mit einiger Sicherheit nachgewiesen werden, in welche Gegenstände sie hineinfantasiert wurden.

Einige Beispiele:

Kapaunstein (lat. lapis alectorius; zu grch. alektor = Hahn). Im Muskelmagen drei- oder vierjähriger Kapaune (das Alter wird mit bis zu zehn Jahren angegeben) findet sich ein bohnengroßer kristallklarer Stein, der seinem Träger Sieg verleiht (daher die Bezeichnung victres u. ä. /Siegstein; wahrscheinlich ein Stück Quarz). Nach anderen Quellen verhilft er zu Tüchtigkeit, Schönheit, Redegewandtheit und Liebeslust und erleichtert die Geburt. Auch soll er – im Munde getragen – den Durst stillen.

Schwalbenstein (lat. chelidonia, v. grch. chelidonion = Schwalbe). Der Stein wächst im Bauch der Schwalben, besonders der Küken, und kommt in roter und schwarzer Farbe vor.

Die rote Abart wirkt gegen Mondsucht und Geisteskrankheiten, die schwarze hilft gegen Fieber, Augenleiden und Geschwülste, verleiht Selbstsicherheit, schützt vor Zorn, macht beredsam und beliebt.

®Krötenstein (lat. batrachites oder botrax, neulat. lapis bufonis, bufonites; zu grch. batrachos = Frosch bzw. zu lat. bufo = Kröte). Er stammt aus dem Kopf einer Kröte, kommt in verschiedenen Farben vor und ist am wirksamsten, wenn er einem lebendigen Tier entnommen wurde. Seine Kraft richtet sich gegen innere Krankheiten und Vergiftungen. (Anhand zeitgenössischer Beschreibungen und Abbildungen wird angenommen, dass fossilierte Fischzähne für den fabulösen Krötenstein gehalten wurden.)

Adlerstein (mhd. athites; lat. aetites, zu grch. aetos = Adler). Der Fabel nach von Adlern zum Schutz der Nestlinge in den Horst getragener Stein. Gemeint ist wohl eine Geode, d.h. ein von einer Mineralschale umgebenes kugelförmiges Gebilde aus Braun- oder Toneisensein. Sofern der Kern locker in der Schale sitzt und beim Schütteln Geräusche macht, wird von einem “Klapperstein” gesprochen. Als quasi schwangerer Stein galt er als Geburtsstein schlechthin (lapis praegnans). Außerdem schenkt er Reichtum und schützt vor Feinden. In Speisen gelegt zeigt er Gift an. Volmar nennt ihn etite und sagt von ihm: “… swer in an der linken hant treit, der ist iemer riche … swa er ze strite kummet, so nement die viende fluht, und büezet ouch die vallnde suht. …” (büezen: hier = bessern, heilen).

Luchsstein (lat. lyncurium. ligurius, ligurion; zu grch. lyggourion = Luchsharn). Antiker Vorstellung folgend galt der Stein als an der Sonne eingetrockneter Urin des Luchses, der von dem Tier vergraben wurde um ihn vor den Menschen zu verstecken. Da von ihm behauptet wurde, dass er Strohhalme anziehe wenn man ihn reibt, ist er womöglich als Bernstein zu identifizieren. Der Name ligurius könnte dann von der italienischen Küstenregion Ligurien rühren, die ein Zentrum des Bernsteinhandels war. Seine Kräfte helfen gegen Magen- und Darmleiden und gegen Gelbsucht. (Mancherorts wurde der Luchsstein mit hellgelben Belemniten in eins gesetzt, s. Belemniten .)

(s. Drachenstein)

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