Türken




Türken. Sammelbezeichnung zentralasiatischer Nomadenstämme, als deren für Europa wichtigster der der muselmanischen Osmanen anzusehen ist. Diese waren ursprünglich nomadisierende Rinderzüchter, bis sie um die Mitte des 13. Jh. von den Mongolen nach Kleinasien abgedrängt wurden. Unter Osman I. (1290 – 1326), auf den der Stamm seinen Namen zurückführt, lösten sie die Araber als Führernation der islamischen Welt ab, und nahmen den Kampf gegen Byzanz auf. Unter Osmans Sohn Orhan (1326 – 62) wurden die byzantin. Städte Bursa (1326), Nikäa (1331) und Nikomedia (1332) erobert, und damit die byzantinische Vorherrschaft in Kleinasien beendet. 1354 setzten osman. Truppen über die Dardanellen und betraten erstmals europ. Boden. 1362 wurde Adrianopel (Edirne) erobert und nach Bursa zur zweiten Hauptstadt des osman. Reiches gemacht. Die Osmanen drangen auf dem Balkan vor, den sie nach ihrem Sieg über das vereinigte Heer der Serben, Bosnier, Albaner und Bulgaren unter dem Oberkommando des serbischen Führers Lazar auf dem Amselfeld (Kosovo polje, 15. 06. 1389) zum großen Teil tributpflichtig machen konnten. 1396 eroberte Sultan Bayazit I. die griech. Halbinsel und drang im Norden bis in die Steiermark vor. Von seinem Vorhaben, Konstantinopel einzunehmen, mußte Bayazit ablassen, um gegen die Mongolen unter Timur Lenk zu ziehen, die auf ihrem Zug nach Westen große Teile Anatoliens überrannt hatten. Die Schlacht bei Ankara (1402) ging für die Osmanen zwar verloren, Timur zog seine Scharen jedoch aus dem verwüsteten Land wieder nach Osten zurück, wobei er den Sultan in einem Käfig mit sich führte, um ihn bis zu seinem Tod darinnen vegetieren zu lassen. Die durch ihre Niederlage geschwächten Osmanen konnten erst unter Sultan Mehmet II. Fatih (“der Eroberer”) wieder Eroberungszüge unternehmen und 1453 Konstantinopel einnehmen. (Seine größte Ausdehnung erreichte das osman. Reich im 16. Jh. unter Sultan Suleyman I. Kanuni [der Prächtige, 1520 – 66]. Es reichte vom Yemen bis vor Wien und von der Kaspischen See bis Marokko.)

Unter den Osmanen blühten Wissenschaft und schöne Künste, wurden Baukunst, Administration und Sozialwesen gepflegt. Nicht-Muslimen war die Ausübung ihrer Religion gestattet, sie genossen Schutz für Person und Eigentum. Unter Murat II. (1421 – 51) kam der Brauch auf, ausgewählte Knaben christl. Familien als Muslime zu erziehen, um sie später in die Elitetruppe der Janitscharen (= neue Truppe) einzugliedern oder für anspruchsvolle Verwaltungsaufgaben auszubilden.




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