Virusgrippe

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Virusgrippe (von frz. gripper = nach etwas haschen, greifen. Die im 18. Jh. aufgekommene dt. Bezeichnung soll das plötzliche Ergriffenwerden durch die Krankheit verbildlichen. Auch febris catarrhalis, Influenza {wegen des “Einflusses” übler Sternenkonstellationen}; “Hustenfieber”). Akute, durch Tröpfcheninfektion übertragene Viruskrankheit, gekennzeichnet durch Husten (huoste) und Schnupfen (mhd. snupfe), Kopf-, Gelenk-, Rücken- und Kreuzschmerzen, hohes Fieber und allgemeine Hinfälligkeit.

Die “Retrospektive historische Diagnose” (Paläopathologie) ist äußerst schwierig, da man seinerzeit das Hauptsymptom (etwa Husten oder Schnupfen) für die Krankheit selbst hielt und man die gleiche Krankheit an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Namen bezeichnete (u.a. huoste, vloze, floss, flössig siech, ganser, bürzel {die letzteren Bezeichnungen sollen dem Straßburger Volkshumor zu danken sein – fiel doch eine dortige Grippeepidemie 1387 in die Fastenzeit, als man lediglich Geflügelfleisch essen durfte}). Gemäß der Säftelehre erklärte man den Schnupfen als Reinigung des Gehirns – das man für eine Drüse hielt – von kaltem und feuchten Unrat (Phlegma) aus den Säften. Den Zusammenhang zwischen feucht-kalter Luft und dem gehäuften Auftreten von Schnupfen (sei es bei Erkältung oder Grippe) im Herbst beschrieb Constantinus Africanus (11. Jh.): “Der Schnupfen ist eine über das natürliche Maß hinausgehende Feuchtigkeit, welche sich aus dem vorderen Teil des Kopfes durch die Nase nach außen ergießt und vorwiegend bei Kälte zunimmt.”

Vom epidemischen Auftreten der Virusgrippe wird erstmals aus dem Winter 876/877 berichtet. “Ein Fieber mit Augenbeschwerden und Husten grassiert heftig unter den Germanen, vor allem bei den Bewohnern des Rheintales. Diese Epidemie brach nach der Rückkehr von Karlmanns Heer aus Italien aus; viele Soldaten gaben hustend den Geist auf.” Die Krankheit – in den Annalen von Fulda als “italisches Hustenfieber” bezeichnet – breitete sich rasch über mehrere Länder aus und verursachte in der Folgezeit in ein bis zwei Schüben pro Jahrhundert große Massensterben unter Jungen und Alten. Besonders verlustreich verliefen die Seuchenzüge von 927, 1105, 1173, 1387 (vor allem in Augsburg, Memmingen und Straßburg), 1403, 1411, 1414, 1427 und 1438. (B. M. Lersch schreibt zur Grippeepidemie von 1427 in den Ostseeländern: “Innerhalb mehrerer Wochen starben in Stadt und Land 3 Bischöfe, 183 Deutschordensherren, 560 Priester, 38.000 Bürger und Bauern, 25.000 Knechte und Mägde und 18.000 junge Kinder.”)

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