Winter

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Winter (mhd. winter, winder; lat. hiems). Die Zeit zwischen Mitte Dezember und Mitte März, gekennzeichnet durch kurze Tage, lange Nächte, Kälte und Erstarrung der Natur. Eine bittere Zeit vor allem für jene Mehrheit der Bevölkerung, die über nur notdürftige Kleidung und unzureichende Behausung verfügte; sie fanden nur in der Nähe des Viehs oder des Herdfeuers ein wenig Wärme und litten häufig Hunger. Kälte, Nässe, rauchgeschwängerte Raumluft und Mangelernährung hatten viele, besonders respiratorische und rheumatische Erkrankungen zur Folge. Weniger trostlos, der allgegenwärtigen Kälte wegen aber dennoch als unangenehm empfand man den Winter in den Häusern und Herrensitzen der Oberschicht. Dichter nannten ihn “veiger winter”, wünschten “Möhte ich verslafen des winters zit” und seufzten “we dir winter unghiure … heide und ouwe ist bluomen bar”. – Winterliche Verrichtungen, wie sie in mittelalterliche Monatsbildern dargestellt sind, waren Schlachten, Dreschen, Holzfällen, Hecken- und Rebenschneiden, Reparaturen an Werkzeug, Gebäuden und Zäunen, die Versorgung des aufgestallten Viehs, Aufbereitung der Schafwolle, Spinnen und Nähen. Edelleute vertrieben sich die Zeit mit Sau- und Bärenhatz und mit häuslicher Kurzweil wie Brett- oder Kartenspielen. – Winterliche Lostage waren: Heiligabend (24. Dezember; eine wolkenfreie, klare Christnacht verheißt ein fruchtbares neues Erntejahr), Dreikönigstag (06. Januar; wenn’s an Dreikönig gefriert, friert es noch sechs Wochen weiter), St. Paul (Pauli Bekehrtag, 25. Januar; schönes Wetter verspricht ein gutes Erntejahr), Lichtmess (2. Februar; das Fest markierte den Beginn des bäuerlichen Arbeitsjahres; lindes Wetter an Lichtmess bedeutet späten Frühling) und Mattheis-Tag (24. Februar; “Mattheis brichts Eis” – soll der Frühling rechtzeitig eintreffen, muss der Mattheistag schon spürbare Wärme bringen). – Nach Ansicht der Gelehrten beherrscht Im Winter der feucht-kalte Schleim (Phlegma) den Körper. Gegen dessen abträgliche Wirkung werden heiße, fettreiche Speisen – besonders Braten – empfohlen, dazu heiße Getränke, Rotwein, Feigen und Nüsse. Aderlass, Abführmittel und häufiger Geschlechtsverkehr sind zu meiden. – Das winterliche Hochfest war Weihnachten; bis zum 5. Januar zog sich diese längste Arbeitspause des Jahres hin, bei Arm und Reich ausgefüllt mit geselliger Kurzweil und Schmausereien.

(s. Jahreszeiten, Kältezeiten, Schlitten, Schlittschuhe)

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