Die Kultur




Die Bildung war im Frankenreich seit den Karolingern ein Monopol der Kirche.
Nur in den Schulen der Klöster und anderer kirchlicher Einrichtungen konnte man
lesen und schreiben lernen. Dabei standen ursprünglich gelehrte Studien durchaus
im Vordergrund, und erst seit dem 3. Jahrhundert stellte man den Unterricht auf
die Erfordernisse einer/praktischen Tätigkeit in der Kirche oder Verwaltung ab.
Die breite Masse der Bauern blieb von der Bildung ganz ausgeschlossen, aber auch
der größte Teil des Feudaladels wurde nur auf den Kriegsdienst vorbereitet. Nur
diejenigen Söhne des Adels, die in den Kirchendienst eintraten, besuchten eine
solche Schule und lernten dort lesen und schreiben. Die Feudalherren waren also
bei der Abfassung von Schriftstücken auf die Unterstützung .von Geistlichen angewiesen. Die Kirche verstand es recht gut, das Bildungsmonopol der Geistlichkeit
als Wade gegen die Feudalherren zu benutzen. Schriftliche Aufzeichnungen konnten daher auch nur in Klöstern oder in der Kanzlei des Königs vorgenommen werden. In der Kanzlei der Karolinger arbeiteten lediglich Geistliche.

Die Regierungszeit Karls des Großen zeichnete sich durch eine verhältnismäßig
ruhige Entwicklung im Innern aus. Karl verstand es, die Feudalherren in Gehorsam zu halten und verschaffte ihnen im übrigen durch seine ständigen Kriege
genügend Beschäftigung. So blieb für die Pflege von Wissenschaft und Theologie
mehr Gelegenheit als in den Zeiten seiner Vorgänger. Da Karl selbst sich bemühte,
seine Bildung zu vervollkommnen, richtete er an seinem Hofe eine Schule ein. Eine
große Anzahl hervorragender Gelehrter und Theologen seiner Zeit weilte in seiner
Nähe und bildete mit ihm zusammen eine gelehrte Arbeitsgemeinschaft, die Academia palatina.

Die Angehörigen dieser Akademie wurden meistens nach einiger Zeit mit besonderen Aufgaben betraut, zum Beispiel als Gesandte, vor allem aber als Vorsteher großer Klöster oder als Bischöfe eingesetzt.

Das geistige Überhaupt dieser Akademie war zeitweise der Angelsachse Alkuin
(etwa um 730 in England geboren und im Kloster York erzogen). Die angelsächsischen Mönche waren durch ihren Eifer und den Erfolg ihrer Studien
damals überall bekannt. Seit 796 lebte Alkuin in Tours, wo er von Karl als Abt des
Klosters St. Martin eingesetzt worden war. Er starb 804. Zu ihm kamen Schüler
aus England und aus dem Frankenreich. Einer von ihnen hieß Einhard (Egginhard), ein Ostfranke, der die Klosterschule zu Fulda mit besonderem Erfolg besucht
hatte und deshalb von Karl an den Hof gezogen wurde. Einhard schrieb die „Vita
Caroli Magni“ (Lebensbeschreibung Karls des Großen), eine der Hauptquellen für
die Darstellung der Geschichte Karls und des Frankenreiches zu seiner Zeit. Außerdem schrieb er einige Jahrzehnte die sogenannten Reichsannalen. Diese Annalen
sind Jahrbücher, in denen Jahr für Jahr die bemerkenswerten Ereignisse aufgezeichnet wurden.

Karl betraute Einhard auch mit der Beaufsichtigung der königlichen Bauvorhaben. Er muss ein sehr tüchtiger Baumeister gewesen sein, denn wahrscheinlich stammt der Plan des Münsters zu Aachen von ihm. Neben den durch Alkuin direkt herbeigezogenen Angelsachsen gab es in der Hofschule auch Iroschotten, und aus dem Süden Europas
kamen Italiener und Langobarden. Von diesen ist besonders Paulus Diakonus zu nennen, der mehrere Jahre im Kreise Karls lebte und später eine Geschichte der Langobarden schrieb. So kamen viele Gelehrte aus dem Frankenreich und den angrenzenden Ländern an den Hof Karls des Großen, um ihre wissenschaftlichen Studien zu betreiben. Karl beabsichtigte, das Erziehungswesen des ganzen Frankenreiches zu bessern. Er legte auch
Wert darauf, in den geistlichen Schulen die königlichen Beamten heranzubilden. Die Zahl der Klöster, in denen Unterricht abgehalten werden konnte, wuchs während der Regierung Karls. Von besonderer Bedeutung waren die Schulen in Tours, St. Gallen, Reichenau und Fulda. In den meisten Kloster- und Domschulen gab es drei Klassen, in denen besondere Fächer unterrichtet wurden. Es gab Leseklassen, in denen die Lektüre und Auslegung der christlichen Ideologie geübt wurde. In den Gesangsklassen wurde der Kirchengesang gepflegt und in der dritten Art von Klassen, den Schreibklassen, besonderer Wert auf eine schöne Schrift gelegt.

Das Abschreiben von Büchern stellte die einzige Möglichkeit dar, eine
Bibliothek zu schaffen. Das Kloster Reichenau hatte zur Zeit Karls 450 Handschriften in seiner Bibliothek, für die Begriffe der Zeitgenossen eine große
Bibliothek. Ein kleines Kloster, Staffelsee, besaß nur 19 Handschriften. Am Hofe
Karls gab es eine besonders große Bibliothek. Der Unterricht in den Schulen
wurde in sehr verschiedener Weise durchgeführt, weil man nur sehr wenig Lehrer
hatte. So Wurden in manchen Klöstern nur Schreibübungen gehalten, in anderen
legte man besonderen Wert auf die Pflege des Chorgesanges. Im Unterricht
mussten die Schüler sehr viel auswendig lernen. Es wurde fast alles in lateinischer
Sprache geschrieben und sehr viel Latein gesprochen.

Die Bewohner des Frankenreiches hatten keine einheitliche Sprache. So bildete
sich im Westen die Vorläuferin der französischen Sprache, das Altfranzösische, im
Osten das Altdeutsche heraus. Das blieb nicht ohne Einfluss auf den Gebrauch der
lateinischen Sprache, denn während in der Merowingerzeit im Westen eine Mischsprache, das sogenannte Romanische, gesprochen wurde und sehr stark auf das
geschriebene Latein wirkte, sprach man jetzt im Umgang ganz anders, als man
schrieb. Daher griffen die Gelehrten der Karolingerzeit Wieder stärker auf das
Lateinische der klassischen römischen Literatur zurück. Das Althochdeutsche
wurde noch recht selten schriftlich aufgezeichnet. Im 9. Jahrhundert dichtete
ein Unbekannter, Vermutlich ein sächsischer Geistlicher bäuerlicher Herkunft,
in altniederdeııtscher Sprache den „Heliand“. Den Schauplatz der Handlung
hat der Dichter in das Deutschland des 9. Jahrhunderts, auf die Burgen des
Adels, verlegt.

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