Lepra (Aussatz) im Mittelalter

Aussatz ist eine bakteriell hervorgerufene Infektionskrankheit, die charakteristische Veränderungen der Haut und Nervenstränge hervorruft. Die Seuche gehörte zum mittelalterlichen Alltag, obwohl stets nur geringe Anteile der Bevölkerung daran erkrankt waren.

Ihre Verbreitung in Europa lässt sich auf die Migrationen der Völkerwanderungszeit und die Zeit der Kreuzzüge im 11.-13. Jahrhundert zurückführen. Für die Menschen stellte der Aussatz eine Faszination dar, weil er als ansteckend, unheilbar und verstümmelnd galt. Die Gesellschaft verhielt sich zwiespältig zum Erkrankten, da man eine Ansteckung auf Sündhaftigkeit zurückführen konnte, andererseits das Gebot der Nächstenliebe beachten musste. Im Mittelpunkt stand jedoch der Schutz der gesunden Bevölkerung vor Ansteckung. Aussätzige mussten nach Entdeckung der Krankheit in Sondersiechen- oder Leprosenhäusern außerhalb der Stadt leben und, etwa beim Betteln, durch akustische Signale (Klapper, Hornsignal, Rufen) auf sich aufmerksam machen. Aussatz galt auch als erbliche Krankheit, was einer moralischen Verurteilung der Betroffenen Vorschub leistete. Die Pfarrer waren verpflichtet, Personen mit Verdacht auf Lepra zu melden, um eine Untersuchung herbeizuführen.

Seit dem 13. Jahrhundert wurde diese Untersuchung (Leprosenschau) zunehmend von Stadt- und Wundärzten durchgeführt. Das Mittelalter verfügte dabei bereits über ein ausgefeiltes und effektives Diagnoseschema. Eine wirksame Therapie entwickelte die mittelalterliche Medizin nicht. Als Gegenmaßnahme wurde von ‘schlechter Luft’, austrocknenden und kühlenden Speisen abgeraten und Badekuren empfohlen. Allerdings hat nicht die mittelalterliche Heilkunde, sondern die aus der Antike übernommene Absonderung der Aussätzigen zum allmählichen Schwinden des Aussatzes in Europa ab 1400 geführt.

Die Lepra im Mittelalter

Die Lepra im Mittelalter