Wirtschaftsstruktur der mittelalterlichen Stadt

In den Städten blühte bald das Handwerk. Tuche, Eisenwaren und Geräte wurden von den Handwerkern angefertigt. Kaufleute erwarben von den Handwerksmeistern die Waren und handelten sie im ganzen Land. Aber nicht nur durch Deutschland, sondern auch in die anderen Länder zogen die Kaufleute mit ihren waren.

Da jedes Land und jede Stadt eigene Münzen hatte, verzichteten die Kaufleute darauf, gemünztes Geld mit auf die Reise zu nehmen. Sie erwarben dort einen Wechsel. Die Wechsel liehen auch Geld aus, nahmen es in Verwahrung und überwiesen es in andere Städte. Für diese Geschäfte verlangten sie hohe Zinsen. So entstand das Bank- und Wechselwesen. Besonders in den norditalienischen Städten entwickelte sich diese Form des Zahlungsverkehrs sehr schnell, davon zeugen noch die Wörter wie Bank, Kredit, Lombard, Giro und Konto.

Ganz Deutschland war im 12. und 13. Jahrhundert von einem dichten Netzt von Handelsstraßen durchzogen, die von Norden nach Süden und von Osten nach Westen führten. Deutschland war der Mittelpunkt des Handels in Europa geworden.

Von der Entwicklung des Handwerks und des Handels blieb auch das Leben der Feudalherren und Bauern nicht unbeeinflusst. Die Feudalherren schickten nun ihr Mehrprodukt auf den Markt. Da sie Geld für den Einkauf der auf dem Markt angebotenen Waren aus fremden Ländern brauchten, verlangten sie von den Bauern die Abgaben in Form von Geld. Deshalb mussten auch die Bauern ihre Erzeugnisse auf dem Markt verkaufen.

So entwickelten sich in der Wirtschaft Europas allmählich Waren-Geld-Beziehungen. Die Bauern und Handwerker produzierten nicht mehr für den eigenen Bedarf  oder für ihren Herrn, sondern für den Markt. Die Warenproduktion verdrängte die Naturalwirtschaft.

Durch das Handwerk und den Handel wuchs der Reichtum der Städte, Die Bürger bauten als Zeichen ihren Wohlstandes stattliche Rathäuser, Dome und Kirchen, Zunft und Gildehäuser und Krankenhäuser.