Schlehe

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Schlehe (zu indogerm. sli = blau; ahd. sleha, mhd. slehe, spmhd. schlehedorn; lat. prunum silvestre = Waldpflaume; wiss. Prunus spinosa; volkstüml. auch Heckendorn, Schwarzdorn {wegen der schwarzen Rinde} und Ackerpflaume). Steinobstgewächs aus der Familie der Rosengewächse, in ganz Europa verbreitet, wohin er spätestens in der Jungsteinzeit aus Vorderasien eingewandert ist. Als Standorte bevorzugt die Heckenpflanze Waldränder, Feldraine, lichte Hänge und Heideflächen. Kennzeichnend sind seine Wuchshöhe von bis zu 3 m, die üppige weiße Blütenpracht, deren mandelartiger Duft, die spitzen Dornen, die behaarte rotbraun bis schwarze Rinde und die kugeligen blauschwarzen Beerenfrüchte mit saurem Fruchtfleisch und zweispitzigem Steinkern.

Als Heilmittel finden sich Schlehen erst in mittelalterliche Kräuterbüchern, so bei Hildegard v. Bingen und Konrad von Megenberg. Hildegard empfiehlt gebratene oder in Wasser gekochte Schlehen gegen Magenbeschwerden, Megenberg nennt ein Rezept gegen Durchfall. Außerdem machte man aus den Blüten eine Arznei gegen Herzdrücken und aus dem Beerensaft ein Mittel zur Zahnreinigung und zum Gurgeln. Die Wirkstoffe der Beeren sind Gerb- und Bitterstoffe, organische Säuren, und Vit. C. In den Blüten und Blättern finden sich u.a. Glycoside (Amygdalin), Cumarinderivate, in den Kernen Blausäure. Ihre Wirkungen sind zusammenziehend (adstringierend), entzündungswidrig, magenstärkend, harntreibend und schwach abführend. Aus der Rinde machte man Tinte und eine Brühe zum Rotfärben von Woll- und Leinenstoffen.

Schlehenbüsche galten wegen ihrer Dornen als Schutz gegen Schadgetier und gegen Hexen, und so umgab man Gärten, Felder, Viehweiden und Gehöfte häufig mit Schlehenhecken.

Dem mittelalterliche Volksglauben nach war die Dornenkrone Christi aus Zweigen des Schwarzdorns geflochten, und hielt von daher für verdächtig und verachtenswert. Um den Makel von dem Strauch zu nehmen, überschüttete ihn der Herr üppig mit weißen Blüten und gab ihm so die Farbe der Unschuld. Nach einer anderen Legende hatte der Schlehenstrauch aus dem gleichen Grund – sich für die Dornenkrone hergegeben zu haben – eine schützende Kraft, und so stellte man sich bei Gewitter unter den Strauch, um nicht vom Blitz getroffen zu werden.

In der mittelalterliche Küche waren Saft aus gepressten Schlehen (slehen-wazzer) und eingemachte Schlehen (slehen-kumpost) bekannt. Die Ernte sollte möglichst nach dem ersten Frost erfolgen, weil durch diesen der unangenehme Geschmack gemildert wird.

(s. Holzarten, Tinte)

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