Seiler und Reeper

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Lexikon des Mittealters Zwischen Zinnen und Alltag - Das Leben auf mittelalterlichen Burgen
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Seiler und Reeper. Seiler (mhd. seiler, seilslager, seilmecher, seilwinder; mlat. funicularius, funifex, restarius) stellten relativ dünne und kurze Stricke und Seile für Landwirtschaft, Fischerei und Verpackungen her, der handwerklich engverwandte Reeper (mndd. reper, repsleger) machte schweres, langes Tauwerk für die Schiffahrt sowie für Hebezeuge des Berg- und Hochbaus. Entsprechend fanden sich Seiler im ganzen Land (Stadt- und Landseiler), Reeper überwiegend in den Küstenstädten. Frühe Erwähnung des Berufs finden sich in Köln (1150, Erwin Selmechere) und Hamburg (1265, Ricardus Repsleghere). Erste Seilerzünfte entstanden 1378 in Freiburg, 1414 in Köln und 1426 in München. Erste Amtsrollen von Reeperinnungen stammen aus Hamburg (1375), Wismar (1387) und Lübeck (1390). Bei Seiler- wie Reepergesellen war Wanderschaft üblich, wobei sich die Wanderschaft der Reepergesellen auf die Küstenstädte beschränkte.

Ausgangsmaterialien waren der Bast abgschälter Baumrinden, Flachs oder Hanf, auch Nessel und die Haare von Ross- oder Kuhschweifen. Für lange Taue wurden Hanffasern zunächst mit dem Spinnrad zu Garn, sodann mit dem Seilerrad zu einem Faden versponnen. Dabei bewegte sich der Handwerker, rückwärtsgehend, auf der Seiler- bzw. Reeperbahn von dem Drillrad, das vom Lehrling gedreht wurde, weg und verspann den Werkstoff aus dem um die Hüfte geschlungenen Wickel. Zwei Fäden wurden zu einer Schnur verdrillt, zwei oder mehrere Schnüre ergaben ein Seil, vier Schnüre aus je 16 – 50 Fäden ergaben ein Tau (Reep). Durch das Verdrillen (“Schlagen”) der Garne und Fäden in wechselnder Drehrichtung und durch großen Kraftaufwand ergab sich deren Verfilzung und damit größere Festigkeit. Die Seilerbahn war bis zu 50 m, die Reeperbahn bis zu 300 m lang. Erstere fand man daher meist hinter der Stadtmauer, letztere außerhalb der Mauern. Je nach Verwendungszweck wurden Taue noch zusätzlich geteert.

Das Rohmaterial Flachs für Schiffstaue wurde zu einem großen Teil über Riga und Reval aus Rußland importiert. Die Fertigwaren gehörten zu den wertvollsten Exportgüter der Seestädte und gingen vor allem nach Holland, Dänemark und Schweden.

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