Abendmahlsstreit

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Abendmahlsstreit. In der Westkirche fehlte eine konsistente, die patristische Literatur zusammenfassende Eucharistielehre, wie sie im 8. Jh. in der Ostkirche zusammengestellt worden war. In der röm. Lehre standen sich im wesentlichen zwei Richtungen gegenüber: die des Ambrosius (der die tatsächliche Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut des Herrn konstatierte) und die des Augustinus (der das Sakrament mystisch-symbolisch deutete). Die beiden Deutungsweisen führten in karoling. Zeit zum ersten “Abendmahlsstreit” zwischen dem realistisch-metabolisch eingestellten Radbert von Corbie (s. Paschasius Radbertus) und einer augustinisch gesinnten Opposition unter Ratramnus von Corbie. Die Theorie des Radbert konnte sich zwar weitgehend durchsetzen, jedoch flammte der Streit im 11. Jh. erneut auf. Die Protagonisten waren diesmal Berengar von Tours (als Verfechter der augustinischen Auffassung) und Lanfrank (als Verfechter der realen Transsubstantiation). Die Auseinandersetzung war nunmehr stark von dialektischem Denken geprägt und zeitigte wiederholte Verurteilungen Berengarscher Formeln. 1079 musste Berengar in Rom die Glaubensformel beschwören: “(panem et vinum) substantialiter converti in veram et propriam et vivicatricem carnem et sanguinem Jesu Christi”. Damit war der Abendmahlsstreit im wesentlichen beendet. Eine Vertiefung und Systematisierung aller Aspekte des Themas leistete die Schule des Anselm von Laon (gest. 1117). Das 4. Laterankonzil (1215) legte mit seinem Transsubstantiations-Entscheid die Auseinandersetzung endgültig bei: Vom Brot bleibt nur die species (der äußere Anschein), seine Substanz verwandele sich durch die vom Priester mit göttlicher Hilfe vollzogene Wandlung (Transsubstantiation) in den Leib Christi. 1439 legte Papst Eugen IV. präzisierend fest, dass die Substanzverwandlung sich in eben jenem Moment vollzöge, in welchem der Priester die Worte “Hoc es corpus meum” spricht.

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