Abschied




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Abschied (spätmhd. abeschit, abescheit; v. mhd. abescheiden = lostrennen, entfernen, verabschieden). Das Gefühl, mitten im Leben vom Tod umfangen zu sein, war dem mittelalterliche Menschen stets gegenwärtig. Zumal wer eine Reise antrat, verabschiedete sich in der Ungewißheit, jemals wiederzukehren – groß waren die Gefahren unterwegs: da drohten Räuber und Wetterschlag, Schiffbruch und Piraten, wilde Tiere und Dämonen, arglistige Wirte und verrufene Fährleute. Zu den Präliminarien einer Reise gehörte daher, dass man sein Haus ordnete, seinen letzten Willen verfügte, Streitigkeiten beilegte, einen Stellvertreter für die Zeit der Abwesenheit bestimmte und bei einem letzten Kirchgang Gott und die Heiligen um Segen und glückliche Rückkehr anflehte (s. Johannessegen, Reisesegen). Die profaneren Reisevorbereitungen, wie die Beschaffung von Geld, Geleit- und Empfehlungsschreiben, von zweckmäßiger Reisebekleidung und -verpflegung, hatte man schon zuvor erledigt.

Geläufige Abschiedsgrüße waren Segensformeln und gute Wünsche wie “gehabt euch wol” und “ade” (von “a dieu” = Gottbefohlen).

Der Schmerz des Abschieds, gleich, ob ein König zum Kreuzzug aufbrach oder ein Kaufmann auf Handelsfahrt ging, war besonders herzzerreißend unter liebenden Gatten. Aus der Strophe 1543 des Nibelungenlieds:

“Den König bat zu bleiben sein vielschönes Weib.

Nachts sie noch herzte seinen weidlichen Leib”

Im Aberglauben des Mittelalter findet die Szene des Abschiednehmens besondere Aufmerksamkeit. So sollte keine Reise an einem Freitag angetreten werden, suchte man durch Mitnahme von Amuletten die Heimkehr zu sichern, sollte der Abreisende rückwärts aus der Tür treten, waren Zeichen des Angangs zu beachten usf.




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