Amalrikaner

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Lexikon des Mittealters Leben im Schatten der Zinnen: Burgen des Mittelalters und ihr Alltag
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Amalrikaner. Mystisch-schwärmerische Sekte des 13. Jh., die sich in Konventikeln organisierte, Heilsgewissheit ohne Kirche und Sakramente predigte, den Papst zum Antichrist erklärte und von 1210 an wegen ihrer ketzerischen Lehre verfolgt und ausgelöscht wurde. Als ihr Begründer gilt Amalrich, geboren in Bena (Bène, bei Chartres; “Amaury de Bene”), Lehrer an der Artistenfakultät der Pariser Universität. Dieser herausragende Geist genoss großes Ansehen bei Hofe und hatte viele einflussreiche Gönner. Obwohl kein Theologe, befasste er sich mit Glaubensfragen und trug seine Lehrsätze vor Studenten vor. Wegen der Verbreitung falscher Lehren wurde er 1204 auf päpstliche Initiative hin in Rom verurteilt und zu öffentlichem Widerruf gezwungen, widrigenfalls er auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden wäre. Durch diesen Vorfall an Körper und Geist gebrochen, starb er 1206 oder 1207.

Amalrich hat eine pantheistische Lehre entwickelt, die sich an averroistischen Gedanken und am neuplatonischen Pantheismus des Johannes Eriugena (dargestellt in dessen “De divisione Naturae”) orientierte. Nach seinem Zukunftsentwurf werde auf das bereits angebrochene Reich des Sohnes (i.e. Christi) das Reich des Heiligen Geistes folgen, welches bis zum Weltende dauern würde. Seine Schüler behaupteten, in dieser angebrochenen Endzeit würde sich der Heilige Geist im Fleisch dokumentieren und die ersten, bei welchen dies geschehe, seien eben sie selbst – die “Spiritualen”, wie sie sich nannten. Die Spiritualen traten als Prediger unter den Armen der großen Handelsstädte auf, verbreiteten ketzerische Auslegungen der Heiligen Schrift (so leugneten sie die Sünde und die Hölle, die Wirksamkeit der Sakramente und die leibliche Wiederauferstehung) und prophezeiten, dass der Antichrist (i.e. der Papst) und die Kirche verschwänden, dass alle, die nicht den Glauben der Spiritualen annahmen, binnen kurzer Zeit durch verschiedene Katastrophen umkommen würden. Von ihren Gegnern wurden sie – zu Recht? Behaupteten sie doch, es gäbe keine Sünde – sexueller Ausschweifungen bezichtigt.

Die vom Klerus als Amaurianos (Amalrikaner) bezeichneten Anhänger dieser Lehre – zumeist Geistliche – wurden auf einer Pariser Synode (1210) und auf dem 4. Lateranum (1215) als Häretiker verurteilt und teils verbrannt, teils zu Kerkerhaft verurteilt; gleichzeitig wurden die Gebeine Amalrichs ausgegraben und in ungeweihter Erde verscharrt. Letzte Anhänger der Ketzerei finden sich 1225 in Lyon.

Von Amalrich und seinen Anhängern selbst sind keine Schriften überliefert. Als Quellen stehen nur Pariser Prozessakten von 1210 mit einer Liste verurteilter Lehrmeinungen und ein zur gleichen Zeit entstandener anonymer Traktat “Contra Amaurianos” zur Verfügung.

Zeitgeschichtliche Bedeutung erlangten die Amalrikaner insofern, als zusammen mit ihrer pantheistischen Lehre auch der Pantheismus von Zeitgenossen verurteilt wurde, der sich auf wiederentdeckte aristotelische Lehren stützte. Dies führte zum Aristotelesverbot und zum Verbot der arab. Aristoteleskommentatoren (1210).

(s. Pantheismus)

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