Armbrust




Armbrust (mhd. armbrust, armburst, armst; aus mlat. arcubalista arbalista = Bogenwurfmaschine; lat. auch balista, arcus; grch. gastraphetes). Die Armbrust war schon in der grch. und röm. Antike als Standwaffe (Geschütz) bekannt, fand jedoch im Frühmittelalter zunächst keine Erwähnung mehr. Erst Ende des 10. Jh. erscheinen in Frankreich Darstellungen einer tragbaren Waffe, die den Wurfmaschinen der Spätantike gleichen (in einer Bibel Ludwigs IV. aus dem Jahre 937). Die byzant. Historiographin “Anna Komnena (1083 – um 1154) soll sie unter dem Namen Tzagra als eine eigentümliche Waffe der Abendländer erwähnen …” (H. Delbrück).

Zum Vorteil des Armbrustschützen gegenüber dem Bogner gehörte, dass Ersterer die Sehne beliebig lange ohne Kraftaufwand gespannt halten und auf den günstigsten Moment für den Schuss warten konnte. Die mörderische Kraft der wiederentdeckten Waffe war derart eindrucksvoll, dass die Kirche schon im 12. Jh. versuchte, sie als “Deo odibilem” (von Gott gehasst) zu verbieten. (Ein Armbrustbolzen konnte noch in einer Entfernung von 300 m ein Kettenhemd durchschlagen.) Noch 1215 untersagte Papst Innocenz III. der Geistlichkeit, “mit Armbrustschützen oder dergleichen Blutmenschen kirchlich zu verkehren”. Das “unchristliche Schießen” wurde erst im 15. Jh. von Handfeuerwaffen an Zielgenauigkeit und Wirkung übertroffen, blieb jedoch bis ins 17. Jh. in Gebrauch.

Die Armbrust bestand aus einem hölzernen Schaft (Säule, Baum), dem darauf festmontierten Bogen (aus Holz- und Hornplatten [Kompositbogen] oder – vom Ende des 14. Jh. an – aus Stahl) und der Sehne (meist aus Darmsaiten fingerdick zusammengedreht). Die Sehne wurde anfänglich mit Armkraft, später mit einem Fuß oder mit beiden Füßen gespannt (arcubalista ad unum pedem, arcubalista ad duos pedes). Die weitere Verstärkung des Bogens machte Hilfsmittel erforderlich, wie etwa ein hebelartiges Spanneisen (“Geißfuß”), das der Schütze am Gürtel mit sich führte. Im Spätmittelalter kamen am Schaft montierte Seilzug- und Kurbelwinden in Gebrauch. Die gespannte Sehne rastete in der Abzugsvorrichtung (dem Drücker) ein, und verlieh beim Auslösen dem in einer Rinne gelagerten Armbrustbolzen eine beträchtliche Beschleunigung und Durchschlagskraft. Die Schussleistung war mit zwei Bolzen pro Minute nicht sehr hoch; während des Ladens suchte der Schütze im Feld hinter einem Schild Deckung. Diese großen Setzschilde (Sturmwände) aus Holz oder Eisen wurden mit Stachelfüßen im Boden verankert und mit Stützen im Stand gehalten. Zum Transport mussten Karren mitgeführt werden. Armbrustschützen hatten mit Waffe, Geschossen und einem leichten Schild aus Holz und Leder (Pavese) ca. 40 kg. zu tragen. Insgesamt war die Handhabung der Armbrust zwar leicht zu erlernen, jedoch umständlich und aufwendig zu praktizieren und machte sie weniger für die bewegte Feldschlacht als für Belagerungen geeignet. Neben der Handarmbrust gab es auch die fest auf Schiffen, Türmen oder Mauerwehren installierte Standarmbrust (Balista), mit der bis zu zwei Meter lange eisenbeschlagene Bolzen verschossen werden konnten. Für 75 cm lange Bolzen lag die Reichweite bei 400 m.

Die Armbrust wurde auch zur hohen Jagd verwendet. Ein geübter Jäger konnte noch auf 170 m Entfernung einen Hirsch erlegen. Für Damen waren “Kugelschnepper” oder “Ballester” gedacht, womit Tonkugeln oder Steine bei der Jagd auf Kleinwild verschossen wurden.




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