Berengar von Tours




Berengar von Tours (Berengarius Turonensis, B. v. Angers; um 999 – 1088). Scholastischer Theologe, studierte in Chartres bei Bischof Fulbert, war Leiter der Domschule St. Martin zu Tours und wurde 1040 Kanoniker am Dom zu Angers. Er proklamierte den Primat von Vernunft und Dialektik gegenüber kirchl. Dogmatik. Wegen der Leugnung der Transsubstantiation (der wirklichen Verwandlung von Brot und Wein in den Leib Christi) in seinem Hauptwerk “De Sacra Coena adversus Lanfrancum” (“Über das Hl. Abendmahl, Streitschrift gegen Lanfrank”; Lanfrank) wurde er auf mehreren Synoden verurteilt und 1050 exkommuniziert. Um nicht selbst zum Feuertod verurteilt zu werden (“ne ipse cremaretur”), kam er dem Urteil einer Synode in Rom nach, seiner Lehre von der zeichenhaften Natur (similitudo) der Wandlung abzuschwören und seine Schriften eigenhändig (“suis manibus”) zu verbrennen (1059, in der Lateranbasilika). Weil er weiter auf seiner “Irrlehre” bezüglich des Herrenmahles bestand, musste er 1079 in Rom und 1080 auf einer Synode in Bordeaux unter demütigenden Umständen erneut abschwören. (Berengar wies auf auf folgenden logischen Widerspruch hin: Wenn sowohl gilt, Das ist substantiell Brot als auch Das ist substantiell Leib Christi dann muss nach den Regeln der Syllogistik auch der widersinnige Satz gelten: Der Leib Christi ist Brot.)

Seine Ansicht, dass simonistische Priester keine gültigen Sakramente spenden könnten, wurde von sozialreligiösen Bewegungen aufgenommen.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte er resigniert in strenger Klausur auf der Insel St. Cosmas bei Tours, wo er auch gestorben ist.

(Die Transsubstantiationslehre wurde 1215 auf der IV. ökumenischen Lateransynode zum kirchlichen Dogma erhoben.)

Werke: “Controversia de terminis <subsatntialiter> et <realiter>”, “De sacra coena adversus Lanfrancum”, “Iuramentum B. Turonici clerici factum Romae in ecclesia Lateranensi de eucharistia, tempore Gregorii septimi papae”.

(s. Abendmahlsstreit)




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