Bergleute




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Bergleute (mhd. bercliute, erzeliute, frnhd. bergkleut = Sammelbegriffe für sämtliche im Bergbau Beschäftigten, die mit dem Aufsuchen, Erschließen, Gewinnen, Fördern, Aufbereiten und Vermarkten der unterirdischen Schätze – wie Erzen, Metallen, Ton, Salz oder Edelsteinen – beschäftigt waren). Von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung des Bergbaus auf Metallerze und für das Hüttenwesen waren die Aktivitäten der Benediktiner und Zisterzienser. (Bergbau betrieben z.B. die Zisterzenserabteien Walkenried im Harz und Grünhain im Erzgebirge. Fachschriften zum Montanwesen verfassten der Benediktinermönch Theophilus und der Dominikaner Albertus Magnus.) Schon vom 9. Jh. an kam es – angetrieben vom Bedarf der Landesherrschaften – zu einer raschen Ausweitung und Intensivierung des Erzbergbaus, entsprechend schnell wuchs der Anteil der Bergleute an der Gesamtbevölkerung. Es entstanden ganze ®”Bergstädte”, hervorgegangen aus Bergmannssiedlungen in den Montanrevieren. (z.B. Freiberg in Sachsen, das um 1190 das Stadtrecht erhielt und schon im 13. Jh. mit 5.500 Einwohnern zur größten sächsischen Stadt wurde.) Bergbau wurde ursprünglich vom Grundherrn mit unfreien Arbeitern betrieben; später setzte sich der genossenschaftliche Abbau durch freie Bergarbeiter durch. Die Feudalherren räumten ihren Bergleuten in den Bergfreiheiten bedeutende Privilegien ein, denn im Bergbau gründete der Reichtum vieler Fürsten.

Den Kernbestand der Bergleute bildeten die Hauer (mhd. houwer), bei denen Herrenhauer, Gedingehauer und Lehnhauer zu unterscheiden waren. Die Herrenhauer arbeiteten für die Grubenherren im Wochenlohn, die Gedingehauer betrieben den Abbau bestimmter Grubenabschnitte gegen einen Festbetrag, die Lehnhauer erwarben das Schürfrecht in einem Streckenabschnitt für eine bestimmte Zeit, und verkauften das gewonnene Erz an die Gewerke. Daneben arbeiteten in den Gruben Zimmerleute (zum Grubenausbau), Knappen (junge Bergleute, die ihre Lehrzeit abgeschlossen haben), Schachtbuben (Lehrjungen, welche die Förderkörbe und Wassereimer füllten, Blasebälge bedienten und andere Hilfstätigkeiten verrichteten), Knechte (Haspel- und Wasserknechte zur Arbeit an der Haspelwinde und bei der Wasserförderung sowie Hundestößer, welche die “Hunte” genannten Förderwagen schoben) sowie verschiedene andere Hilfskräfte. Über Tage arbeiteten die Pocher, die erzhaltige Brocken zerkleinerten, die Scheider, die taubes Gestein (Berg) vom Erz schieden, die Röster, die das erzhaltige Gestein erhitzten, um unerwünschte Stoffe (z.B. Schwefel) auszutreiben und das Erz zur weiteren Zerkleinerung mürber zu machen, und die Wäscher, die durch Sedimentation taubes von erzhaltigem Gestein trennten.

Der wichtigste Mann einer Grube war der Hutmann (mhd. huot-man = Wächter, Aufseher), der die Bergleute einstellte, die Arbeit zuwies und überwachte und den Lohn abrechnete. Die Anteilseigner (“gewerke”) an bergbaulichen Einrichtungen waren in ®”gewerkschaften” genossenschaftlich organisiert. Diese gewerkschaften sind als soziale Einrichtung Zünften vergleichbar. Der Anteil des (bzw. der) Gewerken am Bergwerk wurde vom Spätmittelalter an Kuxe oder Kux genannt.

Zur Bergmannskleidung gehörten Bergleder (s. Arschleder), Knieschutz, Bergtasche und Gugel (später der Berghut). Die bergmännischen Werkzeuge waren schon im Altertum bekannt. An erster Stelle ist das ®”Gezähe” zu nennen, bestehend aus Schlägel und “Eisen” (verschieden schwere Fäustel sowie Meißel und Keile unterschiedlicher Gestalt und Größe. Die Eisen wurden an einem Holzstiel eingesetzt; da sie sich schnell abnutzten, trug der Bergmann Ersatzeisen zum Austausch bei sich). Dazu kamen Brechstangen, Hacken (barten, heckel), Kratzen und Schaufeln, Körbe, Holztonnen und Ledersäcke zur Erz- und Gesteinsförderung, Ledereimer zur Wasserhaltung, Sägen zum Ablängung der Grubenhölzer, Leitern, Haspelwinden und offene Grubenlampen. Im Hochmittelalter kamen neben den Schubkarren zweiachsige Karren mit Scheibenrädern auf, die dem Transport auf unterirdischen Karrenwegen (carrowegus) dienten. Am Ende des Mittelalter wurden derartige Förderwagen (Hunt) auf Holzschienen (mhd. dramen, tramen = Holzbalken) geführt.

Von größter Wichtigkeit für die Arbeit der Hauer waren die Bergschmiede, welche für Herstellung und Instandhaltung des Gezähes sorgten.

Bergleute aus dem deutschen Raum waren im Ausland als Fachleute bekannt und wurden von vielen Bergrevieren angeworben. So hat z.B. die Herzogin Mathilde von Tuszien im Jahr 1115 deutsche Bergleute nach Mittelitalien gerufen, um den Kupfererzbergbau von Massa Marittima wieder in Gang zu bringen. Im 12./13. Jh. waren dt. Bergbauexperten u.a. im schwed. Falun, in Ungarn, Frankreich und im slowakischen Erzgebirge zur Belebung des Kupferbergbaus im Einsatz. (Dadurch bedingt beruht das Bergbau-Vokabular verschiedener europäischer Sprachen in beträchtlichem Maß auf deutschen Fachausdrücken) Viele ausländische Bergstädte gehen auf deutsche Gründung zurück, so z.B. die (seinerzeit) sieben niederungarischen Städte Schemnitz, Kremnitz, Neusohl, Dilln, Libethen, Königsberg und Bugganz.

Typische Krankheiten der Bergleute waren Rheuma (hervorgerufen durch die Arbeit in nassen Stollen), Staublunge (durch die staubgesättigte Luft in trockenen Gängen), Schwindsucht (als Folge der Silikose), Bronchitiden infolge des beim Feuersetzen entstehenden Qualmes, Fehlhaltungen wegen anhaltenden Arbeitens in unphysiologischer Stellung u.a.m.

Als Patrone verehrten die Bergleute vor allem die Heiligen Daniel, Andreas, Wolfgang, Barbara, Anna, Nikolaus und Leonhard. (Zu Beginn der Neuzeit und mit der Einführung des bergmännischen Schießens (Sprengen unter Tage) entwickelte sich die Hl. Barbara zur alleinigen Schutzpatronin der Bergleute.)

(s. Bergleute, kleinwüchsige; Erz; Erzaufbereitung; Pochmühlen; Waschwerke; Wasserhaltung)




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